Wirtschaftsführer

Gestern Abend wollten sie sich mal ordentlich duellieren, die Fraktionschefs von SPD und FDP, Thorsten Schäfer-Gümbel und Florian Rentsch. Jetzt nicht so richtig mit Kugel, Faust oder Säbel, sondern mit Worten. Sind eben Politiker, die beiden Duellanten beziehungsweise Debattanten. Dazu hatten sie zu einer Podiumsdiskussion mit dem reißerischen, an Boxkämpfe angelehnten Titel „FDP vs. SPD“ eingeladen, Untertitel „Wer hat die besseren Wirtschaftskonzepte?“.

Herausforderer war Rentsch in der blau-gelben Ecke, der die liberale Wirtschaftsexpertise verteidigen wollte, nachdem sich die SPD zuvor selbst die „Meinungsführerschaft im Bereich Wirtschaft“ zuerkannt hatte. Da stellt sich nur die Frage, wen jucken im Moment die Wirtschaftskonzepte zweier Parteien, die derzeit meilenweit von der Regierungsbank entfernt sind?

Rund 100 000 Euro im Soll steht auf jeden Fall gleich Mal Florian Rentsch, dem ein Wahlkampfgag aus seligen Ministerzeiten nochmals um die Ohren geflogen ist. Um den schwächelnden Liberalen vor der Landtagswahl Aufwind zu verschaffen, hatte der damalige Verkehrsminister Rentsch im Sommer 2013 verfügt, die Kommunen sollten vor festinstallierten Blitzern, Tafeln mit der Aufschrift „Radarkontrollen“ anbringen. Hohn und Spott waren ihm wegen dieses arg durchsichtigen populistischen Manövers sicher, viele Kommunen weigerten sich, die Schilder aufzustellen.

Mit Schildern vor Radarfallen zu warnen, sei in etwa so sinnvoll, wie per Durchsage im Zug auf Kontrolleure hinzuweisen, die bei der nächsten Station zusteigen, lästerte der damalige Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir von der Oppositionsbank. Kaum zum Verkehrsminister aufgestiegen, ließ Al-Wazir, die Dinger wieder abmontieren.

Der Schildbürgerstreich hat es jetzt auch in das sogenannte Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes geschafft, das Kompendium der Steuergeldverschwendung.

100 000 Euro also hat Rentschs Wahlkampfposse den Steuerzahler gekostet. So viel zum Thema Wirtschaftskonzepte.

Solcherlei Papiere erwartet man definitiv von der „Hessen Trade & Invest GmbH“, dem Wirtschaftsförderungsvehikel der landeseigenen Hessen-Agentur. Prompt stellte das Unternehmen gestern die Broschüre „Nanotechnische Ideen in der Science-Fiction-Literatur“ vor.

Oha! Was ist das? „Nanosonden etwa, die in den menschlichen Körper eindringen und beschädigte Zellen reparieren, gab es in der Fernsehserie Star Trek bereits in den 1980er- und 90er-Jahren“, weiß Wirtschaftsminister Al-Wazir. Auch Roboter, das Internet und Mobiltelefone hätten in Literatur und Film schon eine Rolle gespielt, bevor sie Stand der Technik geworden seien.

Ganz toll war auf dem Raumschiff Enterprise auch stets das „Beamen“. Sprich, Captain Kirk, Spock und Co. lösten sich mit Hilfe eines Wundergeräts in ihre Bestandteile auf und wurden ratzfatz andernorts wieder zusammengesetzt. Schneller reisen geht einfach nicht.

Das wäre auch praktisch für die SPD-Fraktion. Gut 30 von deren Mitgliedern verstreuten sich jüngst wieder über ganz Hessen in Kindertagesstätten zum sogenannten Praxistag. Erklärtes Ziel: Mitarbeiten und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten kennenlernen. Was Meinungsführer im Bereich Wirtschaft eben so tun . . .

Gestern Nachmittag wäre wieder so eine gute Gelegenheiten zum „Beamen“ gewesen. Von Wiesbaden nach Frankfurt, wo die Sozi-Fraktion im Bankhaus Metzler zu Gast war. Da wurde Schäfer-Gümbel sicher erstmal in Sachen Wirtschaft für sein abendliches Duell fit gemacht, denn im Bankhaus Metzler da werden stets schwarze Zahlen geschrieben.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 8. Oktober 2014

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