Jamaika ohne Hessen-Grüne

Gestern Abend suchten CDU, FDP und Grüne in Berlin wieder den richtigen Kurs gen Jamaika. Leicht wird das nicht, wie sich jeder Normalsterbliche ohnehin von ganz alleine denken kann, was zahlreiche Politiker aus den Reihen von Schwarz, Gelb und Grün aber auch bedeutungshubernd immer wieder gefragt oder ungefragt zum Besten geben. Aber es gibt ja Erfahrungswerte auf der Suche nach der Insel der glückseligmachenden Regierungskoalition.→ weiterlesen

Bürgermeister in den Miesen

Häufig lautet ja im Falle eines gescheiterten Politikers eine mögliche Einschätzung, er sei über etwas gestolpert. Im Falle von Patrick Burghardt muss es wohl heißen, er ist in etwas hineingefallen – und dann davon verschlungen worden: in das Millionenloch in der Bilanz des Hessentags in Rüsselsheim nämlich. Zwar hatte CDU-Oberbürgermeister Burghardt nach dem Ende des Landesfests im Sommer noch „zehn großartige Tage“ bejubelt und ein „neues Wir-Gefühl“ in der Stadt ausgemacht, aber dann folgte das unvermeidliche dicke Minus für die Stadtkasse: Vermutlich 2,7 Millionen Euro, die genaue Abrechnung steht noch aus. Weil das Zahlenwerk vor der OB-Wahl am 24. September nicht hatte präsentiert werden sollen, mutmaßte manch einer in Rüsselsheim, denn in der zuständigen Staatskanzlei in Wiesbaden residieren Ministerpräsident Volker Bouffier und sein Statthalter Axel Wintermeyer. Beides Christdemokraten, die ihrem Parteifreund sicherlich ein noch höheres Minus vor der Abstimmung ersparen wollten, so der Verdacht.→ weiterlesen

Im Paralleluniversum

„Hintern hoch und die freie Gesellschaft verteidigen“, lautete der deftige Appell des Grünen-Wahlkämpfers Tarek Al-Wazir zwei Tage vor der Bundestagswahl. Nun, den Hintern hochbekommen haben erfreulich viele Menschen, die Wahlbeteiligung lag bundesweit bei 76,2 Prozent, 2013 waren es nur 71,5 Prozent. Nach Al-Wazirs verbalem Tritt in den Allerwertesten gaben in Hessen sogar 77 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Auch hier deutlich mehr als beim vorangegangen Urnengang. Gut gemacht, Ihr Mut- und Wutbürger!

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Nasenringe aus Phosphor

Erinnern Sie sich noch an die coole Textzeile „Die kleinen Mädchen aus der Vorstadt tragen heute Nasenringe aus Phosphor“ aus dem Lied „Hurra, hurra, die Schule brennt“ der Band Extrabreit? Ja, damals, Anfang der Achtziger, da lebten die jungen Mädchen so sorglos vor sich hin und trugen eben Nasenringe aus Phosphor. Heutzutage, im Zeichen unbedingten Umweltbewusstseins – unvorstellbar. Ein Unding gar! Denn Phosphor, so klärt uns Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser auf, „ist ein endlicher Rohstoff“ und Lieferengpässe seien künftig nicht auszuschließen. Oje, und das angesichts der Bedeutung der chemischen Industrie in Hessen und Deutschland ohnehin.→ weiterlesen

Gummistiefel-Gate

Bannmeile ist irgendwie ein brachiales Wort, finden Sie nicht auch? Furchterregend, abschreckend – und genau das soll es auch sein! Damit ist nämlich ein Kreis gemeint, in dem laut Paragraf 1 des sogenannten Gesetzes über die Bannmeile des Hessischen Landtags „öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge grundsätzlich verboten sind“.→ weiterlesen

Angstwahlkampf

Exodus allerorten. Oder heißt das Exodusse? Klingt komisch, also anders: Evakuierungen allerorten. Kurzer Einschub: Evakuiert werden Orte, nicht Menschen! Also wurde am Sonntag in Frankfurt wegen der Weltkriegsbombe ein Sperrgebiet evakuiert, nicht etwa 60 000 Menschen. Dies hieße sonst im Wortsinne, den armen Leuten sei die Luft herausgelassen worden. Das hätten Ministerpräsident Volker Bouffier und Innenminister Peter Beuth am Sonntag nach erfolgreicher Bombenentschärfung dann ganz sicher nicht als „großartige Leistung unserer Einsatzkräfte“ gefeiert.→ weiterlesen

Holy Denglisch!

An seinem Umgang mit Kritik und Spott zeigt sich ja stets die Größe des Gescholtenen. Von daher nötigt mir die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, kurz EKHN, momentan großen Respekt ab. Denn die hat gerade den zweifelhaften Preis „Sprachpanscher des Jahres“ bekommen für ihre in der Tat seltsam klingenden Deutsch und Englisch vermischenden Sprachungetüme wie „Segen erleben – Moments of Blessing“ oder „BlessU-2“. Und die „godspots“ kamen beim Verein Deutsche Sprache ebenfalls nicht gut an – das sind kostenlose Internet-Zugänge in evangelischen Kirchen. Das sei doch ausgerechnet im Luther-Jahr eine Verhöhnung des Reformators, der für seine Bibelübersetzung oft wochenlang nach deutschen Wörtern gesucht habe, schimpft der Verein.→ weiterlesen

Die Sache mit dem Führer

Warum kann denn ein Führer eigentlich nicht einfach Führer heißen? Wie? Äh, ja okay, ich ziehe die Frage zurück. Ist arg belastet der Ausdruck, dazu nachher in anderer Angelegenheit mehr.
Aber wie sagt man denn nun politisch korrekt zu jemandem, der einen durch ein Museum geleitet? Die Kunstinstitutionen bieten ganz selbstverständlich Führungen an, aber ist der Führende dann auch ein Führer? Ganz konsequent umgeht diese Frage die Documenta in Kassel, bei der es selbstverständlich keine Führer und auch keine Museumsführer gibt, obwohl sich die Schau gerne „Museum der 100 Tage“ nennt.→ weiterlesen

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