Nasenringe aus Phosphor

Erinnern Sie sich noch an die coole Textzeile „Die kleinen Mädchen aus der Vorstadt tragen heute Nasenringe aus Phosphor“ aus dem Lied „Hurra, hurra, die Schule brennt“ der Band Extrabreit? Ja, damals, Anfang der Achtziger, da lebten die jungen Mädchen so sorglos vor sich hin und trugen eben Nasenringe aus Phosphor. Heutzutage, im Zeichen unbedingten Umweltbewusstseins – unvorstellbar. Ein Unding gar! Denn Phosphor, so klärt uns Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser auf, „ist ein endlicher Rohstoff“ und Lieferengpässe seien künftig nicht auszuschließen. Oje, und das angesichts der Bedeutung der chemischen Industrie in Hessen und Deutschland ohnehin.→ weiterlesen

Gummistiefel-Gate

Bannmeile ist irgendwie ein brachiales Wort, finden Sie nicht auch? Furchterregend, abschreckend – und genau das soll es auch sein! Damit ist nämlich ein Kreis gemeint, in dem laut Paragraf 1 des sogenannten Gesetzes über die Bannmeile des Hessischen Landtags „öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge grundsätzlich verboten sind“.→ weiterlesen

Angstwahlkampf

Exodus allerorten. Oder heißt das Exodusse? Klingt komisch, also anders: Evakuierungen allerorten. Kurzer Einschub: Evakuiert werden Orte, nicht Menschen! Also wurde am Sonntag in Frankfurt wegen der Weltkriegsbombe ein Sperrgebiet evakuiert, nicht etwa 60 000 Menschen. Dies hieße sonst im Wortsinne, den armen Leuten sei die Luft herausgelassen worden. Das hätten Ministerpräsident Volker Bouffier und Innenminister Peter Beuth am Sonntag nach erfolgreicher Bombenentschärfung dann ganz sicher nicht als „großartige Leistung unserer Einsatzkräfte“ gefeiert.→ weiterlesen

Holy Denglisch!

An seinem Umgang mit Kritik und Spott zeigt sich ja stets die Größe des Gescholtenen. Von daher nötigt mir die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, kurz EKHN, momentan großen Respekt ab. Denn die hat gerade den zweifelhaften Preis „Sprachpanscher des Jahres“ bekommen für ihre in der Tat seltsam klingenden Deutsch und Englisch vermischenden Sprachungetüme wie „Segen erleben – Moments of Blessing“ oder „BlessU-2“. Und die „godspots“ kamen beim Verein Deutsche Sprache ebenfalls nicht gut an – das sind kostenlose Internet-Zugänge in evangelischen Kirchen. Das sei doch ausgerechnet im Luther-Jahr eine Verhöhnung des Reformators, der für seine Bibelübersetzung oft wochenlang nach deutschen Wörtern gesucht habe, schimpft der Verein.→ weiterlesen

Die Sache mit dem Führer

Warum kann denn ein Führer eigentlich nicht einfach Führer heißen? Wie? Äh, ja okay, ich ziehe die Frage zurück. Ist arg belastet der Ausdruck, dazu nachher in anderer Angelegenheit mehr.
Aber wie sagt man denn nun politisch korrekt zu jemandem, der einen durch ein Museum geleitet? Die Kunstinstitutionen bieten ganz selbstverständlich Führungen an, aber ist der Führende dann auch ein Führer? Ganz konsequent umgeht diese Frage die Documenta in Kassel, bei der es selbstverständlich keine Führer und auch keine Museumsführer gibt, obwohl sich die Schau gerne „Museum der 100 Tage“ nennt.→ weiterlesen

Fleißige Bienen

Guten Tag zusammen! Die Ferien sind vorbei, die Schule hat wieder angefangen, und ich bin auch wieder da. Während meiner Sommerpause habe ich mal etwas Leichtathletik-WM im Fernsehen geschaut. Beziehungsweise versucht zu schauen, denn dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk war die Übertragung irgendeines der unzähligen Kommerz-Sowiesocup-Fußballendspiele wichtiger als unsere Leichtathleten in London. Worüber sich beispielsweise LG-Eintracht-Athletin Kathrin Klaas empörte.→ weiterlesen

Waschbär-Extremismus

Kaum war der Putin zu Gast in Deutschland, da ist am Samstag der gesamte Internetauftritt von Landesregierung und Landtag zusammengebrochen. Was das jetzt miteinander zu tun hat, fragen Sie? Liebe Leser, das ist doch völlig klar! Zur Entourage, mit der der russische Präsident zum G20-Gipfel nach Hamburg anreiste, gehörten doch garantiert Hacker, Blogger, Browser und wie diese dubiosen Internetgauner alle heißen. Erst haben die den Trump in den USA an die Macht geshitstormt, und jetzt schielen sie auf die Bundestagswahl im September. → weiterlesen

Was Ordentliches gelernt

Hoffentlich geht das gut! Hessen schickt 1000 Polizisten nach Hamburg. Die hiesigen Einsatzkräfte sollen dort den G20-Gipfel absichern und ihren Teil dazu beitragen, „die Sicherheit und Ordnung (…) zu gewährleisten“, wie Innenminister Peter Beuth mitteilt. „Sicherheit und Ordnung gewährleisten“ – das hat ja mit den Berliner Kollegen nicht ganz so gut geklappt, wie die Vorkommnisse der vergangenen Tage gezeigt haben. Sauf- und Sexorgien, eine Kollegin nur im Bademantel mit Pistole auf dem Tisch tanzend – das wird gemeinhin eher nicht mit „Sicherheit und Ordnung gewährleisten“ assoziiert.→ weiterlesen

Im Kohl-Gedenkwahn

Wissen Sie, was mich total aufregt? Kaum ist Helmut Kohl gestorben, da wetteifern schon alle möglichen Wichtigtuer um den tollsten Vorschlag, was man alles nach dem „Kanzler der Einheit“ benennen soll. Deren Phantasie kennt keine Grenzen: Straßen sowieso, schöner noch Straßenzüge, Plätze ebenfalls prima, Flughafen auch famos … Meine Güte, der Mann liegt noch nicht mal unter der Erde! Können diese Ranschmeißer nicht mal solange inne beziehungsweise den Mund halten, bis Kohl begraben ist?→ weiterlesen

Wo bleiben die Millionen?

So, der Hessentag ist wieder rum, Schulterklopfen allenthalben bei den Verantwortlichen. Der Herrgott sei gepriesen, die Millionengrenze bei der Besucherzahl ist überschritten – mit 1,4 Millionen sogar sehr ordentlich! Das scheint überhaupt regelmäßig das Hauptkriterium zu sein: Wann kommt endlich der millionste Gast in die Stadt? Klappt nicht immer, im zentral gelegenen Rüsselsheim schon. Also alles gut? Nein, der eine oder andere wagt doch tatsächlich Kritik an dem, was Ministerpräsident Volker Bouffier als einen „wunderbar fröhlichen und sicheren Hessentag“ bilanziert.→ weiterlesen

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