Ostsee oder Copacabana

Wirtschaftsminister Florian Rentsch ist gestern nach Russland geflogen. Was will er denn da bloß, Schnee gibt es doch auch hier genug? Hat übrigens Glück gehabt, der Minister, am Morgen konnte er gerade noch vom Frankfurter Flughafen starten, kurz darauf wurde der Airport dicht gemacht wegen des starken Schneefalls.

Ja, so doll können die Wetterkapriolen sein. Dabei hat Rentsch noch im November zusammen mit Fraport-Boss Stefan Schulte den aufgerüsteten Winterdienst am Flughafen präsentiert: 1160 Beschäftigte sollen Passagiere und Airlines vor einem Schneechaos bewahren, hieß es damals, 170 mehr als im vergangenen Winter. 301 Räum- und Enteisungsfahrzeuge stünden bereit, rund ein Fünftel mehr als zuvor.

Alles sehr gut, allein der Schneefall am gestrigen Dienstag war dann doch einfach zu viel. Da hilft alles nichts. Auch nicht auf den Autobahnen. War eigentlich auch anders geplant: Der hessische Winterdienst ist gut aufgestellt, um Schnee und Eis zu trotzen. Alle Salzlager in Hessen sind gefüllt, rund 1500 Winterdienstkräfte in den 60 Autobahn- und Straßenmeistereien sind einsatzbereit, verkündete Rentsch in orangefarbener Warnjacke (am Flughafen noch in gelber Joppe) beim Besuch der Autobahnmeisterei Rüsselsheim ebenfalls im November. Hessen Mobil werde alles daransetzen, die Mobilität und Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu sichern. Gestern wars nix mit Mobilität.

Waren schöne Termine für den Minister, die Natur aber bleibt unberechenbar und der menschlichen Planung doch immer überlegen. Das gilt sogar für die Übermenschen von der EU-Kommission. Zur Klempnerausstellung ISH wollte nämlich Energiekommissar Günther Oettinger gestern nach Frankfurt einfliegen und die Weltleitmesse für Sanitär, Heizung und Klima eröffnen. Wurde aber nix, der Kommissar sei am Morgen im zugeschneiten Brüssel auf dem Weg zum Flughafen gewesen, habe dann aber wetterbedingt umgedreht, teilte sein Büro mit.

Flughafen Brüssel, haha, das war ja abzusehen, die können ja noch nicht mal ein paar Diamanten sicher transportieren.

Jetzt bin ich arg abgeschweift. Was also will Rentsch in Russland? Neue Marktchancen prüfen und nutzen, teilt sein Ministerium mit. Die Russische Föderation sei für Hessen nämlich der wichtigste Handelspartner in Osteuropa. Umgekehrt schätze Russland Hessen als wirtschaftsstarkes Land im Zentrum des europäischen Marktes. Das ist doch schön.

Deshalb also geht die Reise ins Riesenreich mit 34 Unternehmensvertretern, zwei Landtagsabgeordneten und einem Minister, der nach eigenem Bekunden die politische Flankierung leistet.

Der Ministerpräsident verreist auch bald. Volker Bouffier hat sich aber ein viel schöneres zumindest aber wärmeres Ziel ausgesucht. Buenos Aires, Brasilia und Rio de Janeiro lauten die Destinationen im April. Ja, Copacabana, Ipanema, die legendären Strände von Rio irgendwie schicker als das eisige Moskau und die Ostseemetropole St. Petersburg (Rentsch). Ostsee oder Copacabana? Schauen Sie auf das Schneegestöber vor Ihrem Fenster und sagen Sie ehrlich, wo Sie lieber hin wollen . . .

Ach ja, was will Bouffier in Südamerika? Bestehende Beziehungen pflegen und neue Kontakte knüpfen, von denen beide Seiten profitieren können. Klingt doch prima, dann mal allen gute Reise und Postkarte nicht vergessen!

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 13. März 2013

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