Jung und weiblich

Da werfe der CDU noch mal einer vor, zu stark an Führungspersonen älteren Semesters zu hängen! Die jüngeren Fraktionsmitglieder murrten zwar seinerzeit vernehmlich, als der mittlerweile 69 Jahre alte Christean Wagner zur Mitte der Legislaturperiode als Fraktionschef wiedergewählt wurde. Und nach dem Abgang Roland Kochs nahm nun auch nicht gerade die nächste Generation auf dem Ministerpräsidentensessel Platz, sondern mit Volker Bouffier (60) ein älterer Nachfolger. Aber jetzt prescht die Hessen-CDU vor und übergibt einen wichtigen Posten in wahrlich junge Hände.

Zum Vorsitzenden der Programmkommission für das Wahlprogramm zur nächsten Landtagswahl beruft die Union Ingmar Jung. Und das ist nicht ganz unwichtig, will die CDU doch wieder stärkste Fraktion im Landtag werden.

Nomen est Omen, Jung heißt nicht nur Jung, sondern ist mit 34 Jahren tatsächlich auch jung. Sicher, aus Teenagersicht wohl nicht, aber für einen Staatssekretär (im Ministerium für Wissenschaft und Kunst) schon.

Einen Fehler hat Ingmar Jung aber: Er ist ein Mann.

Und davon gibt es eindeutig zu viele in der Führung von Regierung und der sie tragenden Parteien, finden zumindest SPD und Grüne. So empört sich die SPD-Abgeordnete Lisa Gnadl: „Oberste Etagen der hessischen Ministerien sind frauenfreie Zonen.“ Von 57 Abteilungsleitern in den Ministerien seien gerade mal sieben weiblich.

Und diese Boshaftigkeit in Richtung FDP kann sich die sogenannte frauenpolitische Sprecherin dann natürlich auch nicht verkneifen: Die Fraktion der Liberalen habe bei 20 Abgeordneten gerade einmal eine Frau in ihrer Mitte und leiste sich das Parodoxon eines frauenpolitischen Sprechers.

Wir klären auf: Gnadl spricht vom Abgeordneten René Rock, der in der Tat dieses Amt bekleidet. War aber auch schwierig für die FDP-Fraktion damals. Die einzige Abgeordnete war Dorothea Henzler, und die wurde Kultusministerin, stand also als natürliche Besetzung der frauenpolitischen Sprecherin nicht zur Verfügung. Da wurde es dann aus der verbleibenden Männerrunde René Rock. Der hat immerhin einen Nachnamen wie ein zumindest hierzulande überwiegend von Frauen getragenes Kleidungsstück.

Die Grünen haben es natürlich auch mit der Frauenquote. Angesichts des mehrheitlichen Vorstoßes im Bundesrat, Aufsichtsräte großer Firmen mit einem fixen Anteil weiblicher Mitglieder zu besetzen, warnen die Grünen: Frauenquote in Aufsichts- und Verwaltungsräten darf nicht an hessischen CDU- und FDP-Männern scheitern.

Also bitte Ihr lieben Grünen, jetzt macht doch die hessischen CDU- und FDP-Männer nicht wichtiger als sie wirklich sind!

Zum guten Schluss fusionieren wir die Trend-Attribute jung und weiblich und gehen dazu in den Frankfurter Frauenknast. Unter wohlwollender Beobachtung von Justizminister Jörg-Uwe Hahn und mit Hilfe von Fernsehkoch Mirko Reeh – jaja, alles Männer, aber jetzt kommts – lieferten sechs junge Köchinnen ein Meisterstück. Die Damen ließen sich während ihrer Haftzeit zur Köchin ausbilden und durften „zur Belohnung“ (Hahn) ein Sechs-Gänge-Menü mit Reeh erstellen: Sauerkraut-Currysüppchen, Tatar vom Handkäs, Spaghetti mit Grie Soß, Duo von Tafelspitzsalat und Rote Bete und zum Abschluss Hessisches Tiramisu.

Hessisches Tiramisu, was das wohl wieder sein soll?

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 26. September 2012

 

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