Tierisch was los

Normalerweise füllt ja immer gerne irgendein Tier das sogenannte Sommerloch. Brillenkaiman Sammy, Problembär Bruno, Schnappschildkröte Lotti und so weiter und so fort. Auch bei uns sollte es einst ein wahres Ungeheuer gegeben haben: das „Rheinkrokodil“, das stets irgendeiner im Flussabschnitt zwischen Speyer und Eltville gesehen haben wollte.

Aber diesen Sommer, das kann ich Ihnen sagen, ist in Hessen ganz tierisch viel los.

Die erste Sensationen aus der Fauna erreichte uns am vorigen Donnerstag: Umweltministerin Priska Hinz meldete per dreiseitiger Pressemitteilung: „Ausgestorbene Art kehrt zurück nach Hessen! – Gelungene Nachweise des Fischotters an der Eder, im Spessart und im Vogelsberg.“ Super! Nach Biber, Luchs und Sumpfschildkröte habe Hessen jetzt einen weiteren Rückkehrer in seinem Arteninventar, so die Ministerin. Gab es da nicht inzwischen auch noch einen Wolf?

Sei’s drum. Die Suche nach Lotter-Luchs Larry war es aber auch, die die Forscher auf die Fischotter stoßen ließ. Wissenschaftlich Lutra Lutra geheißen, wie uns das Ministerium noch belehrt. In die Fotofallen für den Luchs ist nämlich der Otter hineingestolpert. Das Ministerium bittet jetzt die Bevölkerung um Hinweise auf weitere Fischotter.

Die Spurensuche ist allerdings nicht ganz so appetitlich. Sollten Sie gerade Ihr Frühstücksbrötchen verzehren, legen Sie es weg oder lesen Sie bitte nicht weiter. Der Fischotter hinterlässt nämlich laut Ministerium „ganz charakteristische Spuren“. Sprich, er kackt ganz charakteristisch unter Brückenbauwerke: „Der mit Fischschuppen und Grätenresten durchsetzte Fischotterkot hat einen unverwechselbaren Geruch, den Experten als ,fischig-fruchtig mit einem Hauch von Moschus‘ beschreiben“, heißt es aromatisch in der Mitteilung.

„Fischig-fruchtig mit einem Hauch von Moschus.“ Darauf muss man erstmal kommen! Diese treffliche Beschreibung kann Hinz gleich noch mal verwenden, wenn sie in ihrer Rolle als Landwirtschaftsministerin einen Riesling aus dem Kloster Eberbach beschreiben soll.

Nicht ganz so tief in Scheiße greifen muss, wer sich auf die Suche nach der sogenannten Wildkatze macht. Dieses Raubtier haben die Nachrichtenagentur dpa und der Bund für Umwelt und Naturschutz am Montag ins Sommerloch geschubst: „Große Zählung in Deutschlands Wäldern: Überraschend viele Wildkatzen.“ Also auch im Taunus und im Kellerwald. Felis silvestris lässt sich mit weniger unangenehmen Maßnahmen aufspüren: Holzpflöcke in den Boden schlagen und mit Baldrian besprühen. „Am duftenden Holzpflock reiben sie sich genüsslich und streifen dabei Haare ab“, beschreiben die Experten das Katzenverhalten. Helfer sammeln dann die Haare ein und schicken sie zur DNA-Probe an das Senckenberg-Institut nach Gelnhausen. Toll!

Ein Senckenberg-Kollege aus Frankfurt hat außerdem ein ganz garstiges Untier in Gießen ausgemacht: „Wir haben erstmals eine Sandmücken-Art innerhalb Hessens entdeckt“, meldet Professor Sven Klimpel. Phlebotomus mascittii lebt eigentlich in den Tropen, Subtropen und am Mittelmeer – und jetzt auch in Mittelhessen. Diese Sandmücke kann – Achtung, ran an die Autan-Flaschen! – die Leishmaniose übertragen. Eine Infektionskrankheit, die schlimmstenfalls tödlich enden kann. Tödlich!

Ja, und dann ist nun auch noch Problembär Roland aufgetaucht, auch bekannt als Brillenkaiman Koch. Der Homo eschborniensis hat nach seinem Ministerpräsidentenamt am Montagabend auch seinen Wirtschaftsführerposten hingeschmissen und steckt jetzt statt im Sommerloch im Karriereloch.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 6. August 2014

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