Niemand hat die Absicht …

Am Aschermittwoch ist ja bekanntlich alles vorbei – nur der Spott für Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir und seinen Irrflug in Sachen Terminal 3 ganz sicher nicht. Gut, die Kritik kommt nach der Fassenacht nicht mehr im Narrenkostüm daher, sondern bald wieder ganz herkömmlich ernst. Spätestens am 4. März, wenn der Grüne seine „Gegengutachten“ zu den Fraport-Prognosen bezüglich der künftig zu erwartenden Passagiermillionen am Frankfurter Flughafen vorlegt. Ersten Berichten zufolge sollen die Papiere aus seinem Verkehrsministerium ja die Berechnungen des Flughafenbetreibers ziemlich bestätigen …

Aber während der vergangenen tollen Tage haben die Narren Al-Wazir ordentlich den Narrhalla-Marsch geblasen. Der Gast aus Wiesbaden hatte sich ja sogar auf die andere Rheinseite getraut, um dort an der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ teilzunehmen.

Hehe, darauf hatten sie gewartet. Passenderweise herrschte dort tagelang Ostbetrieb, Mainz lag unter einem dauernden Lärmteppich, die Stimmung entsprechend gereizt. Die Bürgerinitiativen verteilten vor dem Kurfürstlichen Schloss Postkarten, die als Motiv Al-Wazir mit Narrenkappe zeigten, der an der Baustelle vom Terminal 3 aus dem blankgezogenen Allerwertesten von CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier krabbelt.

„Herr Al-Wazir, darf man überhaupt noch Grüne sagen, oder ist das schon diskriminierend?“, fragte Redner Detlev Schönauer als „Mainzer Lehrer“. „Oder heißt das jetzt biologisch abbaubare Dummschwätzer?“ Wenn schon der einst größte Fluglärmbekämpfer „jetzt in der Regierung hockt, da weiß man doch schon alles“, referierte Lehrer Schönauer. „Aber ein guter Posten ist halt besser als gute Luft!“

Auch Kabarettist Lars Reichow knöpfte sich in seinen „Fastnachtsthemen“ den grünen Minister von der anderen Rheinseite vor: „Herr Al-Wazir, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Idee mit der Lärmpause in Frankfurt – bitte rufen Sie mich doch rechtzeitig an, wenn es losgeht, dann kann ich raus in den Garten!“

„Da muss er durch“, beschied Sitzungspräsident Andreas Schmitt den Polit-Gast bei der Begrüßung und gab Al-Wazir selbst noch mit, er könne ihn leider wegen des Fluglärms nicht verstehen.

Als Pappkamerad „Walter Ul-Wazir“ nahm der Minister dann sogar am Rosenmontagszug in Mainz teil. In grüner Latzhose, mit Maurerkelle in der Hand, zog Al-Wazir eine Mauer hoch. Aufschrift in Anlehnung an den DDR-Obernarren Walter Ulbricht: „Niemand hat die Absicht, ein 3. Terminal zu bauen!“

„Ulbricht war en schlimme Finger, mit Mauerbau und anner’n Dinger, doch in Hessen, ohne Frach, steht man im Lügen kaum ihm nach“, dichteten dazu die Mainzer Narren auf ihrem Motivwagen.

Nicht in Versform, aber trotzdem närrisch reagierten die Oppositionsfraktionen im Wiesbadener Landtag auf Al-Wazirs Ankündigung vom Altweiberdonnerstag, die bereits im Ministerium vorliegenden Gutachten erst am 4. März vorstellen zu wollen. „Die Hinhaltetaktik des Ministers geht weiter“, schimpfte der SPD-Abgeordnete Marius Weiß, während Linken-Fraktionschefin Janine Wissler argwöhnte, „grüne Wahlkampfversprechen sind offenbar nur noch Makulatur“.

Denn das dritte Terminal werde es mit ihm ja nicht geben, hatte Al-Wazir im Landtagswahlkampf getönt. Und Walter Ulbricht hatte nie die Absicht, eine Mauer zu bauen …

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 18. Februar 2015

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