Mysteriöse Rosen

Dafür hat sich Wissenschaftsminister Boris Rhein von der CDU doch wohl eine Rose von Nancy Faeser verdient – auch wenn diese SPD-Generalsekretärin ist. Bevor ich die Frage „Warum?“ beantworte, muss ich wohl zunächst aufklären, was es mit der SPD-Dame und der Rose auf sich hat. Also: Die Frauen der SPD-Landtagsfraktion und der SPD Wiesbaden haben gestern Nachmittag in der Wiesbadener Innenstadt Rosen für mehr Gleichberechtigung und Gerechtigkeit verteilt. Anlass dafür sei der Weltfrauentag am 8. März. Nicht irgendwelche Rosen, sondern „Fairtrade“-Rosen. Das ist jetzt was genau? „Fairtrade“ ist ein Siegel des Vereins „TransFair“, das zur Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern beitragen soll. Speziell auf die Rosen bezogen bedeutet das den Schutz der Rechte von Frauen auf Blumenfarmen, wie uns Faeser, die stellvertretende Landesvorsitzende Gisela Stang und die frauenpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Lisa Gnadl, wissen lassen. Das sei wichtig, darauf verweisen die drei sozialdemokratischen Blumenmädchen, denn „in vielen Anbauländern des globalen Südens werden Frauen- und Arbeitnehmerrechte mit Füßen getreten“.

Im „globalen Süden“? Wo ist der genau? Wenn global per definitionem weltweit bedeutet, wäre demnach also überall Süden und es herrschten allerorten arbeitnehmer- und frauenfeindliche Arbeitsbedingungen. Na, das kann ich mir auf den Tulpen-Farmen im befreundeten Nachbarland Holland nun doch nicht vorstellen.

Oder haben Faeser, Stang und Gnadl die globale Klimaerwärmung bereits als unaufhaltsam akzeptiert, die dann zum „globalen Süden“ führen könnte?

Bei so viel globalem Denken habe ich jetzt den Rhein etwas aus den Augen verloren. Also, den Minister Rhein. Der hat nämlich tief in die stets gut gefüllte Portokasse seines Wissenschaftsministeriums gegriffen und 278 500 Euro für das Archiv der deutschen Frauenbewegung spendiert. Dessen Mitarbeiter sammeln, archivieren und sichern Dokumente zur Geschichte der Frauen und Frauenbewegungen in Deutschland zwischen 1800 und 1970, klärt uns das Ministerium auf. „Die Arbeit des Archives der deutschen Frauenbewegung hilft dabei gesellschaftliche Vorurteile abzubauen, die dazu führen, dass Leistungen von Frauen nicht gleichberechtigt neben die von Männern gestellt werden“, so Rheins Begründung für den Scheck.

Na, das passt doch prima zum Anliegen der SPD-Frauen und sollte ja wohl mit einer Rose von Faeser belohnt werden, oder?

Während es also in Wiesbaden rote Rosen regnet, fliegen in Kassel Torten. Und zwar ins Gesicht von Beatrix Amelie Ehrengard Eilika von Storch, stellvertretende Vorsitzende der Alternative für Deutschland. Erbarme, zu spät, die Hesse komme, dürfte die arme Frau gedacht haben. Wie vielleicht auch die Zuschauer des Eurovision Song Contest am Donnerstag als der Fuldaer Möchtegern-Rocker Tobias Sammet im Zirkusdirektoren-Frack mit seiner Truppe Avantasia seinen Beitrag geschmettert hat. Gern als „Melodic Metal“ bezeichnet – das ist so wie Fußball im Ballettröckchen.

Sein Liedchen heißt übrigens „Mystery Of A Blood Red Rose“. Wo auch immer diese mysteriöse Rose herkommt – sicher nicht von Nancy Faeser.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 2. März 2016

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