Bürgermeister in den Miesen

Häufig lautet ja im Falle eines gescheiterten Politikers eine mögliche Einschätzung, er sei über etwas gestolpert. Im Falle von Patrick Burghardt muss es wohl heißen, er ist in etwas hineingefallen – und dann davon verschlungen worden: in das Millionenloch in der Bilanz des Hessentags in Rüsselsheim nämlich. Zwar hatte CDU-Oberbürgermeister Burghardt nach dem Ende des Landesfests im Sommer noch „zehn großartige Tage“ bejubelt und ein „neues Wir-Gefühl“ in der Stadt ausgemacht, aber dann folgte das unvermeidliche dicke Minus für die Stadtkasse: Vermutlich 2,7 Millionen Euro, die genaue Abrechnung steht noch aus. Weil das Zahlenwerk vor der OB-Wahl am 24. September nicht hatte präsentiert werden sollen, mutmaßte manch einer in Rüsselsheim, denn in der zuständigen Staatskanzlei in Wiesbaden residieren Ministerpräsident Volker Bouffier und sein Statthalter Axel Wintermeyer. Beides Christdemokraten, die ihrem Parteifreund sicherlich ein noch höheres Minus vor der Abstimmung ersparen wollten, so der Verdacht.→ weiterlesen

Im Paralleluniversum

„Hintern hoch und die freie Gesellschaft verteidigen“, lautete der deftige Appell des Grünen-Wahlkämpfers Tarek Al-Wazir zwei Tage vor der Bundestagswahl. Nun, den Hintern hochbekommen haben erfreulich viele Menschen, die Wahlbeteiligung lag bundesweit bei 76,2 Prozent, 2013 waren es nur 71,5 Prozent. Nach Al-Wazirs verbalem Tritt in den Allerwertesten gaben in Hessen sogar 77 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Auch hier deutlich mehr als beim vorangegangen Urnengang. Gut gemacht, Ihr Mut- und Wutbürger!→ weiterlesen

Nasenringe aus Phosphor

Erinnern Sie sich noch an die coole Textzeile „Die kleinen Mädchen aus der Vorstadt tragen heute Nasenringe aus Phosphor“ aus dem Lied „Hurra, hurra, die Schule brennt“ der Band Extrabreit? Ja, damals, Anfang der Achtziger, da lebten die jungen Mädchen so sorglos vor sich hin und trugen eben Nasenringe aus Phosphor. Heutzutage, im Zeichen unbedingten Umweltbewusstseins – unvorstellbar. Ein Unding gar! Denn Phosphor, so klärt uns Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser auf, „ist ein endlicher Rohstoff“ und Lieferengpässe seien künftig nicht auszuschließen. Oje, und das angesichts der Bedeutung der chemischen Industrie in Hessen und Deutschland ohnehin.→ weiterlesen

Gummistiefel-Gate

Bannmeile ist irgendwie ein brachiales Wort, finden Sie nicht auch? Furchterregend, abschreckend – und genau das soll es auch sein! Damit ist nämlich ein Kreis gemeint, in dem laut Paragraf 1 des sogenannten Gesetzes über die Bannmeile des Hessischen Landtags „öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge grundsätzlich verboten sind“.→ weiterlesen

Angstwahlkampf

Exodus allerorten. Oder heißt das Exodusse? Klingt komisch, also anders: Evakuierungen allerorten. Kurzer Einschub: Evakuiert werden Orte, nicht Menschen! Also wurde am Sonntag in Frankfurt wegen der Weltkriegsbombe ein Sperrgebiet evakuiert, nicht etwa 60 000 Menschen. Dies hieße sonst im Wortsinne, den armen Leuten sei die Luft herausgelassen worden. Das hätten Ministerpräsident Volker Bouffier und Innenminister Peter Beuth am Sonntag nach erfolgreicher Bombenentschärfung dann ganz sicher nicht als „großartige Leistung unserer Einsatzkräfte“ gefeiert.→ weiterlesen

Holy Denglisch!

An seinem Umgang mit Kritik und Spott zeigt sich ja stets die Größe des Gescholtenen. Von daher nötigt mir die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, kurz EKHN, momentan großen Respekt ab. Denn die hat gerade den zweifelhaften Preis „Sprachpanscher des Jahres“ bekommen für ihre in der Tat seltsam klingenden Deutsch und Englisch vermischenden Sprachungetüme wie „Segen erleben – Moments of Blessing“ oder „BlessU-2“. Und die „godspots“ kamen beim Verein Deutsche Sprache ebenfalls nicht gut an – das sind kostenlose Internet-Zugänge in evangelischen Kirchen. Das sei doch ausgerechnet im Luther-Jahr eine Verhöhnung des Reformators, der für seine Bibelübersetzung oft wochenlang nach deutschen Wörtern gesucht habe, schimpft der Verein.→ weiterlesen

Die Sache mit dem Führer

Warum kann denn ein Führer eigentlich nicht einfach Führer heißen? Wie? Äh, ja okay, ich ziehe die Frage zurück. Ist arg belastet der Ausdruck, dazu nachher in anderer Angelegenheit mehr.
Aber wie sagt man denn nun politisch korrekt zu jemandem, der einen durch ein Museum geleitet? Die Kunstinstitutionen bieten ganz selbstverständlich Führungen an, aber ist der Führende dann auch ein Führer? Ganz konsequent umgeht diese Frage die Documenta in Kassel, bei der es selbstverständlich keine Führer und auch keine Museumsführer gibt, obwohl sich die Schau gerne „Museum der 100 Tage“ nennt.→ weiterlesen

Fleißige Bienen

Guten Tag zusammen! Die Ferien sind vorbei, die Schule hat wieder angefangen, und ich bin auch wieder da. Während meiner Sommerpause habe ich mal etwas Leichtathletik-WM im Fernsehen geschaut. Beziehungsweise versucht zu schauen, denn dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk war die Übertragung irgendeines der unzähligen Kommerz-Sowiesocup-Fußballendspiele wichtiger als unsere Leichtathleten in London. Worüber sich beispielsweise LG-Eintracht-Athletin Kathrin Klaas empörte.→ weiterlesen

Waschbär-Extremismus

Kaum war der Putin zu Gast in Deutschland, da ist am Samstag der gesamte Internetauftritt von Landesregierung und Landtag zusammengebrochen. Was das jetzt miteinander zu tun hat, fragen Sie? Liebe Leser, das ist doch völlig klar! Zur Entourage, mit der der russische Präsident zum G20-Gipfel nach Hamburg anreiste, gehörten doch garantiert Hacker, Blogger, Browser und wie diese dubiosen Internetgauner alle heißen. Erst haben die den Trump in den USA an die Macht geshitstormt, und jetzt schielen sie auf die Bundestagswahl im September. → weiterlesen

Was Ordentliches gelernt

Hoffentlich geht das gut! Hessen schickt 1000 Polizisten nach Hamburg. Die hiesigen Einsatzkräfte sollen dort den G20-Gipfel absichern und ihren Teil dazu beitragen, „die Sicherheit und Ordnung (…) zu gewährleisten“, wie Innenminister Peter Beuth mitteilt. „Sicherheit und Ordnung gewährleisten“ – das hat ja mit den Berliner Kollegen nicht ganz so gut geklappt, wie die Vorkommnisse der vergangenen Tage gezeigt haben. Sauf- und Sexorgien, eine Kollegin nur im Bademantel mit Pistole auf dem Tisch tanzend – das wird gemeinhin eher nicht mit „Sicherheit und Ordnung gewährleisten“ assoziiert.→ weiterlesen

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