Riskante Sache: Alte Männer mit E-Bike

Die Männer und deren Risikobereitschaft – eine lange Geschichte von Balz- und Imponiergehabe samt der Gefahr schwerer Unfälle oder gar des Todes. Mussten sich die alten Rittersleute auf Schlachtrössern unbedingt beim Lanzenkampf messen, hüpften später Matadore mit roten Tüchern vor wilden Stieren herum, oder Cowboys versuchten, auf selbigen zu reiten. Heute, so scheint es, reiht sich der Drahtesel in diese Riege der Ungetüme. Jetzt nicht nur solche Räder, mit denen Männer Berge herunterrasen, sondern – auch das E-Bike!

Ja, jetzt übertreibt er aber wirklich, werden Sie dem Autor möglicherweise vorhalten, das sei doch nun nicht mit den eingangs genannten Taten testosterongesteuerter Herren gleichzusetzen. Doch, durchaus: Ärztinnen und Ärzte des Klinikums der Technischen Universität München haben nämlich die Muster bei Unfällen mit E-Bikes untersucht. Die Erkenntnis: Ein besonders hohes Risiko für schwere Verletzungen haben demnach – ältere Männer.

Jetzt ist es ja keineswegs so, dass nur junge Männer zum erhöhten Risiko neigen, wie einst eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zeigte. Diese Neigung reicht demnach zunächst bis 30 und kommt dann wieder ab 65 Jahren – also dann, wenn das E-Bike meist das traditionelle Rad abgelöst hat.

Und worin bestand das Hochrisikoverhalten? Alle untersuchten Schwerverletzten (Ø-Alter 77 Jahre) trugen keinen Helm. Eine solche Torheit hätte nun nicht mal der alte Rittersmann beim Lanzenstechen begangen!

Erschienen in der Ärzte Zeitung vom 16. April 2027

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