Volker’s Aktiv Reise

Peter Beuth weiß, wie die Landtagswahl für seine CDU zu gewinnen ist: „Wir werden uns mit uns beschäftigten und nicht so sehr mit dem politischen Gegner“, erklärt der Generalsekretär der hessischen Union. Das ist ein löblicher Vorsatz, allein gesehen hat man davon noch nicht soviel. Es dominiert bislang ebenjene Beschäftigung mit dem politischen Gegner: Die Grünen werden mittels eines in Fleißarbeit erstellten Dossiers als Pädophile entlarvt, SPD-Chef Schäfer-Gümbel sei ohnehin Ypsilantis Marionette und mit einem „rot-rot-grünen Linksblock“ – den der hessische Obersozi im Gegensatz zu den Bundesgenossen Gabriel und Steinbrück ja nicht ausschließt – wäre es um Hessen sowieso komplett geschehen. Womit Beuth beim letzten Punkt tatsächlich recht behalten dürfte.

Bei der angekündigten Beschäftigung mit sich selbst ruht die CDU allerdings noch ein wenig in sich selbst: Laut einer Umfrage fühlen sich nämlich 96 Prozent der Hessen in ihrem Bundesland wohl, sagt Beuth – und damit ist doch alles gut, oder?

Noch dramatischer als die Schreckensvisionen von SPD und Grünen im unheiligen Bund mit den Linken schaffen es die Freien Wähler. „Unser Hessen darf nicht sterben“, barmen die wieder mit einer Landesliste antretenden Kommunalpolitiker und wollen einen neuerlichen Anlauf in den Wiesbadener Landtag nehmen. Abgesehen von der Frage, wie ein Bundesland eigentlich „sterben“ soll, dürfte der Warnruf ungehört verhallen. 1,6 Prozent schafften die Freien Wähler bei der vorigen Landtagswahl, am 22. September dürften es kaum mehr werden – freie Prozentpotenziale werden sich die Piraten und die Euroskeptiker von der AfD schnappen.

Bevor Hessen also möglicherweise verstorben sein könnte, um es maximal vorsichtig auszudrücken, gilt es für die Wahlkämpfer zuvor das schöne Land noch einmal kreuz und quer zu durchreisen. Speziell Volker Bouffier tourt im Reisebus von Nord nach Süd und West nach Ost, als gebe es tatsächlich kein morgen.

Dabei schlüpft der Kosmopolit aus Gießen gleich in zwei Rollen. Am kommenden Montag startet die „Sommerreise des Hessischen Ministerpräsidenten“, übernächsten Samstag die gar zehntägige „Bustour mit dem Landesvorsitzenden der CDU Hessen“. Dabei ist nichts und niemand vor dem doppelten Volker sicher: Kloster, Supermärkte, Burgen, Museen, Firmen, Weingüter, die Frauen Union, Wochenmärkte, der Feldberg und allerlei Sommerfeste erkundet er zu Fuß, mit der Seilbahn, per Schiff und natürlich – Bus.

Die Touren sind jeweils vom frühmorgendlichen Start in Wiesbaden bis teils weit nach Mitternacht angesetzt. Da kann man schon mal schlappmachen – aber auch da hat die Union eine Lösung parat: „Volkers Aktiv Apfel“ (muss denn wirklich dieser falsche Genitiv-Apostroph sein?). Das ist jetzt bitteschön kein Witz, sondern eine Dose in Red-Bull-Anmutung mit „Apfelnektar aus Apfelsaftkonzentrat – Fruchtsaftgehalt mindestens 50 Prozent“. Statt den roten Bullen grinst Bouffiers Konterfei vom Weißblech. Die Dose verspricht eine „Erfolgreiche Erfrischung“.

So fruchtig wird bei den Reisen von SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel und Ver.di-Boss Jürgen Bothner sicher nicht erfrischt. Der Sozi und der Gewerkschafter kumpeln sich ganz mächtig an den sogenannten kleinen Mann heran. Schäfer-Gümbel tingelt unter dem Motto „Respekt vor harter Arbeit in Hessen“, der Gewerkschafter hat auf seiner Sommertour einen halben Tag Mülltonnen in Frankfurt geleert. Da gibts sicher Arbeitersekt – und das ist bekanntlich kein Apfelnektar, sondern Mineralwasser.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 31. Juli 2013

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