Plaisir mit Al-Wazir

Der Herr mit dem Dackel – das ist wie vorige Woche an dieser Stelle beschrieben doch eigentlich der vormalige CDU-Fraktionschef Christean Wagner mit seinem Teckel „Nobel“. Die Mainzer Fastnachter haben die Rollen jetzt irgendwie getauscht. Hundehalter auf einem ihrer Motivwagen für den Rosenmontagszug ist nun Hessens CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier. Und auf seinen Knien thront ein Dackel. Aber nicht irgendeiner, Tarek Al-Wazir soll’s sein, der grüne Koalitionspartner – in den Augen der Karnevalisten durch den schwarz-grünen Koalitionsvertrag offenbar zum Schoßhündchen mutiert.

Schon am Freitag wird es bei einem weiteren Termin in Mainz spannend sein, die Sitzordnung der beiden zu beobachten. Der Kalender mit den Öffentlichkeitsterminen der Landesregierung listet nämlich sowohl Ministerpräsident Bouffier als auch seinen Stellvertreter Al-Wazir als Gäste für die Fernsehfastnachtssitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ auf. Sie wissen schon, das TV-Ereignis, bei dem mehr Politiker mit Narrenkappe auf dem Kopf im Publikum sitzen, als echte Narren auf der Bühne stehen.

Hoffentlich bekommt er da einen eigenen Stuhl, der Al-Wazir. Nicht dass er wie auf dem Motivwagen nur auf dem Schoß seines Herrchens sitzen darf. Zwei Hessen in Mainz, da muss ich unwillkürlich noch mal zu einer Meldung der sonst seriösen Nachrichtenagentur dpa greifen. Die hatte sich an einer „Typologie der Fastnacht: Vom Fanatiker bis zum Verweigerer“ versucht. Und jetzt stellen Sie sich vor, einer der Typen ist – „DER HESSE“. Ungelogen, Definition der Kollegen: „Ortsfremder Humorfeind, der nur deshalb mit dabei ist, weil ihn die rheinland-pfälzische Erbtante zu einem Besuch genötigt hat. Steht die ganze Zeit unverkleidet und mit einem ,Was mach ich hier eigentlich?’-Gesichtsausdruck am Straßenrand.“

Duffdäh! Das mag sicher für die in Mainz so beliebten Wiesbadener gelten, die Rest-Hessen sind doch aber gar keine so argen Spaßbremsen, oder? Ihre Fastnachter-Typologie haben die dpa-Kollegen vorsichtshalber auch nur in ihrem rheinland-pfälzischen Landesdienst verbreitet, nicht im hessischen . . .

Wie sehr Fastnacht und Wiesbaden schiefgehen kann, hat jüngst die Meldung gezeigt, dass dort ein evangelischer Kindergarten den Eltern ausdrücklich mitteilt, kleine Zauberer, Hexen und Teufel seien nicht zur Karnevalsfeier in der Kita eingeladen. Um Himmels willen, da kommen keine Satanisten, sondern Kinder! Die Mainzer „Allgemeine Zeitung“ zitierte am nächsten Tag einen ebenfalls evangelischen Dekan aus Mainz, der kopfschüttelnd meint, solche Kostümvorgaben werde es in der Fastnachtshochburg Mainz nicht geben: „Sowas gibt es nur in Wiesbaden.“ Während der Wiesbadener Geistliche angesichts eines als Zauberer verkleideten Knaben eifert, dies sei „für Gott ein Gräuel“, sieht es der Mainzer Dekan ganz im Sinne der Nächstenliebe: „Gott liebt auch Hexen und Zauberer.“

Aber zurück zu unseren beiden Fastnachtstouristen in Mainz, Bouffier und Al-Wazir. Sie arbeiten zwar in der Landeshauptstadt Wiesbaden, kommen aber aus Gießen und Offenbach – da sollte der von den dpa-Kollegen gefürchtete „Was mach ich hier eigentlich?“-Gesichtsausdruck doch wohl ausbleiben, oder?

Also dann: Draußen steht ein karnevalsberauschter Kolumnist, wolle mer’n eroilosse? Eroi, mit’m!

„Mit oder ohne Hund,
de Bouffier tut jetzt kund,
,Des Regier’n mit’m Al-Wazir,
is fer misch es reinste Plaisir!’“

Adschee und Helau!

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 26. Februar 2014

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