Ob Affen Prosecco wollen?

Einen ganz wunderbaren Satz hat Eva Kühne-Hörmann da gesagt: „Ich stehe nicht an der Spitze eines ,Prosecco-Ressorts, wie manche Kollegen meinen“, stellte unsere Ministerin für Wissenschaft und Kunst im Interview mit der FAZ klar. Ja gut, dass sie das mal gesagt hat, denn um ehrlich zu sein, hatten wir manchmal schon mit solcherlei neidvollen Vermutungen auf ihre Termine geblickt, die zu teilen wir regelmäßig eingeladen werden. Einladungen zu Eröffnungen aller Art, Förderbescheide übergeben, Welterbestätten beantragen, Denkmäler enthüllen, Jazz im Ministeriumshof und so fort. Das klingt doch prima!

Zugegeben, die Querelen um das privatisierte Uni-Klinikum Gießen und Marburg, Sängerstreit am Staatstheater Darmstadt, Neonazi-Wachleute im Keltenmuseum, und zweckentfremdete Fördergelder bei der European Business School (EBS) gießen natürlich schon den ein oder anderen Tropfen Wermut in den Perlwein.

Ganz sicher ungeeignet für einen Prosecco ist wohl auch die parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Ursula Hammann betreffend Hirnforschung an Affen. In einem privaten Institut, das das Land mit 30 Millionen Euro fördert. Da stellt man sich doch gleich niedliche Äffchen vor, vollgestöpselt mit Elektroden, leidender Blick aus den Augen unserer nächsten Verwandten aus dem Tierreich. Dabei bleibt einem nun wirklich die Brause im Halse stecken.

Wir empfehlen als Forschungsobjekte die beiden Silberrücken von CDU und FDP: Volker Bouffier (gefärbt) und Jörg-Uwe Hahn (echt). Untersuchungsthema: Der Umgang der Führungsgorillas mit älteren und jüngeren Mitgliedern in der Gruppe. Wer wird verstoßen und warum? Wer wird nicht verstoßen und warum nicht?

Von den Ältesten der Affenbande springen wir zu den Ältesten des Landtags. Denn ausgerechnet die müssen heute über den Umgang mit den jüngsten Kommunikationsmitteln im Plenarsaal und auf den Zuschauerbänken entscheiden. Sollen die Debatten per sogenanntem Livestream im Internet übertragen werden? Dürfen Besucher auf der Tribüne Twitter-Meldungen mittels ihrer Mobiltelefone absetzen?

Nein, die Besucher dürfen derzeit nicht, die Abgeordneten schon. Muss man nicht verstehen.

Wer jetzt aufstöhnt, warum ausgerechnet die in Ehren Ergrauten just darüber entscheiden, wo man denen doch bestenfalls noch den Umgang mit einem Seniorenhandy mit übergroßen Tasten zutraut, der sei beruhigt. Der Ältestenrat besteht mitnichten nur aus den Ältesten. Zwar ist der älteste Abgeordnete Horst Klee (CDU, 72) Mitglied des Gremiums, mit Astrid Wallmann (CDU, 31) und Angela Dorn (Grüne, 29) aber auch zwei der jüngsten Parlamentarier.

SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel auf jeden Fall hat nach einer Klausurtagung kraftvoll gefordert, der Landtag solle Twitter zulassen und Live-Stream-Übertragung einführen. Das hatten andere schon vor ihm getan, weswegen die Linken ihm keck entgegneten, „Guten Morgen, Herr Schäfer-Gümbel, ein solcher Antrag sei längst gestellt“.

Wir haben da so einen Verdacht, was das verspätete Erwachen verursacht haben könnte. Die Landesapothekerkammer nämlich, die es ja nun wirklich wissen muss, warnt per Mitteilung: Schlafmittel wirken auch über die Nacht hinaus.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 2. Mai 2012

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