„Oxi“ zu Schäfer und Schäuble

Na, da hat er ja wieder einen rausgehauen, der SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel: Finanzminister Thomas Schäfer solle seine „klebrigen Finger“ von kommunalem Geld lassen, posaunte er gestern heraus. Kraftmeiernd kam er aus der Fraktionssitzung seiner Sozis, zusammen mit all den Siegertypen vom Wochenende, und hieb auf den Kommunalen Finanzausgleich des CDU-Ministers ein.

Klebrige Finger! Nach den nahezu täglich überbotenen Hitzerekorden in Hessen klebt dem armen Schäfer vielleicht das Hemd am Leib, aber das ist nun wirklich verzeihlich. Solange es nicht das letzte ist.

Haben sie eben möglicherweise gestutzt bei dem Wort Siegertypen in Verbindung mit Sozialdemokraten? Doch, doch, bei der Hessen-SPD läuft es momentan richtig gut – zumindest auf kommunaler Ebene. Der Landtagsabgeordnete Thomas Spies wird neuer Oberbürgermeister in seiner Heimatstadt Marburg, Claus Kaminsky wurde in Hanau in seine dritte Amtszeit befördert und im Kreis Waldeck-Frankenberg Landrat Reinhard Kubat wiedergewählt.

Nach wie vor nicht so gut läuft es dagegen bei der Bundes-SPD. Glauben zumindest die Hessen-Jusos. Im „Dauertief stabil unter 30 Prozent“ sieht deren Landesvorsitzender Pascal Barthel die Mutterpartei und hat deshalb einen „Offenen Brief“ an den großen Vorsitzenden Gabriel geschrieben. „Lieber Sigmar“, beginnt der unterzeichnende „Pascal“ ganz niedlich, um Gabriel dann ganz fürchterlich in den Senkel zu stellen. Warum er denn bloß mit dem „ehemaligen Genossen Wolfgang Clement“ gemeinsam Termine abhalte und dessen Buch bewerbe?

„Herr Clement“ – das übliche Sozi-DU entzieht Pascal dem Ex-Wolfgang also ausdrücklich – sei doch nicht mehr Teil der „sozialdemokratischen Familie, und das ist auch gut so!“. Denn Clement habe doch bei der „berühmten Landtagswahl 2008“ dazu aufgerufen „unsere Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti“ und die hessische SPD nicht zu wählen.

Pascal zu Sigmar: „Um das deutlich zu sagen: Der Mann, dem Du nun zu Aufmerksamkeit verhilfst, war der Meinung, dass Roland Koch (der böse CDU-Mann, d.Red.) besser geeignet sei, Hessen zu regieren als Andrea Ypsilanti.“ Und, „ganz nebenbei“, so stichelt der Pascal weiter, „hat Andrea mit 36,6 Prozent ein Wahlergebnis eingefahren, von dem wir auf Bundesebene seit einigen Bundestagswahlen nur träumen können“.

So, da hat er es dem Sigmar aber mal richtig gezeigt. Irgendwie rückwärtsgewandt die Jusos, oder? Da sind die „Alten“ um Schäfer-Gümbel wohl weiter.

Während Schäfer-Gümbel also dem hiesigen Finanzminister Schäfer nur „Finger weg!“ zuruft, will die Linken-Landesvorsitzende Heidemarie Scheuch-Paschkewitz den Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gleich ganz weg haben. Dessen Rücktritt würde „eine sozial ausgewogene Lösung der europäischen Finanzkrise jedenfalls mehr befördern als der Rücktritt von Yanis Varoufakis“, glaubt die Linke nach dem rasanten Abgang des Greco-Pistoleros ohne Munition.

Jaja, die Linken, die freuen sich natürlich wie kleine Kinder zum „Oxi“ der Griechen im Referendum. „Ja zu einem sozialen Europa“, deutet Linken-Fraktionschef Willi van Ooyen das Ergebnis vom Sonntag. Zu was haben die Griechen eigentlich genau Nein gesagt? Zu einem Rettungspaket, das zum Zeitpunkt der Abstimmung gar nicht mehr im Angebot war?

Von „Stolz und Würde zurück“ ist nun immer die Rede. Wo liegen denn bitte Stolz und Würde, wenn man stets und ständig die europäischen Nachbarn anpumpt?

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 8. Juli 2015

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