Feuer frei!

Haben Sie schon Ihren Weihnachtsbaum rausgeschmissen? Wird langsam Zeit viele dürften dafür bereits den vergangenen Sonntag genutzt haben, den Tag der Heiligen Drei Könige. Der Ikea-hörige Teil der Bevölkerung dürfte dies spätestens am kommenden Sonntag tun, denn am 13. Januar feiert man in Schweden, dem Heimatland des Möbelherstellers, den Sankt-Knut-Tag und damit das Ende der Weihnachtszeit. Aus der TV-Werbung wissen wir auch, dass die ungehobelten Schweden ihre Bäume einfach aus dem Fenster schmeißen.

Das ist natürlich viel zu gefährlich, deshalb stellen wir hier zu Lande unsere Nordmanntannen und Blaufichten ordentlich an den Straßenrand. Wo die Entsorgungsbetriebe oder Feuerwehren dann vielerorts die Koniferen einsammeln. Aber Vorsicht, liebe Ikea-Jünger: Die Sammlungen finden meist schon am kommenden Samstag, also dem 12. Januar statt einen Tag vor Sankt Knut!

Ist das jetzt eigentlich schon diskriminierend gegenüber schwedischen oder Schweden-affinen Mitbürgern? Bis nächstes Jahr werde ich dazu besser mal einen der vielen Gleichstellungsbeauftragten befragen.

Manche dieser erst heiß begehrten, dann jäh verschmähten Nadelbäume werden dann hier und da öffentlich verbrannt. Das ist natürlich ein ganz heißes Eisen. Darf man das? Und, wenn ja, wie viele und bei welcher Temperatur?

So albern die Frage klingen mag, es hat zweier hessischer Minister bedurft, um dies jetzt zu regeln: Ministerien schaffen Klarheit bei der Anzeige, Durchführung und Gefahrenabwehr bei Brauchtumsfeuern, melden uns Umweltministerin Lucia Puttrich und Innenminister Boris Rhein. Eine Orientierungshilfe gibt vor, wann was abgefackelt werden darf. So dürfen Martinsfeuer, Osterfeuer, Johannisfeuer, Hutzelfeuer, Lärmfeuer entzündet werden oder eben Weihnachtsbaumstapel.

Moment, da wird ja kostbare Energie verschwendet, wertvolle Wärme bleibt ungenutzt, mag jetzt manch einer denken. In der Tat haben sich Puttrich und Rhein auch damit auseinandergesetzt. Vereinzelt seien im Zusammenhang mit den Traditionsfeuern abfallrechtliche Bedenken gegen eine Verbrennung pflanzlicher Abfälle geltend gemacht worden, laute der Einwand. Deshalb werde mit diesen Ausführungen klar gestellt, so führen Puttrich und Rhein aus, dass derartige Veranstaltungen, bei denen unbehandeltes Holz, Baum- und Strauchschnitt unter bestimmten Voraussetzungen als Brennmaterialien eingesetzt werden, nicht dem Abfallrecht unterliegen.

Schwer verdauliches Behördendeutsch, aber trotzdem gut, dass dies jetzt mal klargestellt ist. Aber was ist eigentlich mit den enormen Mengen CO2, die beim Verbrennen entstehen? Kohlendioxid gleich Treibhausgas gleich Ozonloch? Daran denken die Minister natürlich nicht!

Doch, aber ein anderer. Axel Wintermeyer, Chef der Staatskanzlei und damit Fuhrparkminister der hessischen Fahrzeugflotte, hat gerechnet und dann vermeldet: Landesverwaltung senkt CO2-Emissionen der Dienstwagen um 23 Prozent. Geschehen binnen der vergangenen fünf Jahre und damit ein messbarer Erfolg für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Der Wintermeyer, ja der machts ihr vor, der Umweltministerin.

Komisch nur, dass die Deutsche Umwelthilfe dies nicht verstanden hat. Die hatte im Mai den 500-PS-Audi von Ministerpräsident Volker Bouffier in ihrem Dienstwagen-Check als zweitschlimmste Dreckschleuder unter den Länderministern eingestuft. Und ein Jahr zuvor Innenminister Rhein mit seinem Audi A8 6.0 quattro sogar als traurigen Gesamtsieger des Klimakiller-Rankings geoutet.

Da muss Wintermeyer doch noch mal gegensteuern.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 9. Januar 2013

 

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