Fast wie Weltuntergang

Wissen Sie was? Ich bin ja so froh, dass die Welt nun doch nicht am 21. Dezember untergegangen ist. Ich hätte Ihnen das ja schon gerne am vergangenen Mittwoch mitgeteilt, aber wegen des Weihnachtsfeiertages gab es keine Zeitung, sprich keine Kolumne. Wer den von den Mayas angeblich vorhergesagten Exitus vielleicht für einen klitzekleinen Moment herbeigesehnt haben könnte, ist hingegen Innenminister Boris Rhein.

Als wäre 2012 nicht schon ein Annus horribilis sondergleichen für den CDU-Mann gewesen, musste er am 20. Dezember schließlich das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs hinnehmen, dass er die Präsidentin des Landeskriminalamts, Sabine Thurau, zu Unrecht wegen vermeintlicher Führungsschwäche gefeuert hat. Beziehungsweise ins Innenministerium auf einen wenig bedeutsamen Posten abgeschoben hat. Da hätte ein Weltuntergang am 21. ihm immerhin viele böse Zeitungsschlagzeilen erspart!

Ein erstes Beben hat Rhein bereits im April aus Wiesbaden zu spüren bekommen. Da hatte schon das Verwaltungsgericht Wiesbaden die Abberufung Thuraus für unwirksam erklärt und eine Fortsetzung der von Rhein beendeten Probezeit verfügt.

Im Oktober war Rhein ebenfalls vor Gericht abgeblitzt. Das Oberlandesgericht Frankfurt sprach dem Kindsmörder Magnus Gäfgen 3000 Euro Entschädigung wegen angedrohter Folter zu. Der Innenminister war dabei mit seiner Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil mit diesem Tenor gescheitert. Hätte er mal lieber dem vom OLG vorgeschlagenen Vergleich zugestimmt, den Gäfgen akzeptieren wollte, und das quälend lange Verfahren relativ leise beendet. So hat der selbstgefällige Mörder noch einmal Bühne und Genugtuung bekommen.

Aber all das ist ja gar nichts gegen die Vorkommnisse vom 25. März. Da ist für Rhein, den Frankfurter Bub, wirklich eine Welt zusammengebrochen. Nicht er, wie er und seine CDU ganz selbstverständlich annahmen, sondern der belächelte SPD-Unbekannte Peter Feldmann wurde per Stichwahl überraschend deutlich zum neuen Oberbürgermeister seiner Heimatstadt gewählt.

Wer den Schaden hat, so weiß der Volksmund, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Und so pfiffen es in den Folgewochen die Spatzen von den Dächern, Rhein müsse bei der anstehenden Kabinettsumbildung im Mai seinen Ministerposten räumen.

Gut, wenn man da Druckmittel hat! Mit seiner Aussage, er habe in der Polizeichef-Affäre als damaliger Staatssekretär sehr wohl ein zweites, vom Gericht vorgeschriebenes Auswahlverfahren durchgeführt, aber leider, leider nicht dokumentiert hat Rhein dem seinerzeit zuständigen Innenminister und jetzigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier das politische Leben gerettet.

Also durfte Rhein weiter im Innenministerium wurschteln – trotzdem ein ganz, ganz verflixtes Jahr 2012 für den einst großen Hoffnungsträger der Union.

Da kann 2013 doch eigentlich nur besser werden. Es sei denn, bei der Landtagswahl…

Aber soweit wollen wir noch gar nicht denken, wir kennen ja bislang nicht einmal den Wahltermin. Fürs Erste also: Frohes neues Jahr!

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 2. Januar 2013

 

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