Also ich für meinen Teil werde bald wegen Reichtums zumachen. Nein, im Lotto habe ich nicht gewonnen, auch wenn ich auf der Hessen-Seite die Lottozahlen bearbeite. Die bereits gezogenen, leider. Aber ich habe offenbar Sponsoren, Mäzene um im Bild der Kunstförderung zu bleiben. Doch, doch, im sozialversicherungspflichtigen Sinne gelten wir Journalisten als Künstler …
Besagte Gönner gedenken mich mit sagenhaften Summen zu bedenken. Persönlich ist noch keiner an mich herangetreten nur per E-Mail. Zugegeben, kennen tue ich auch keinen von denen und warum die alle aus Hongkong, Afrika und sonst woher kommen? Seis drum, die Globalisierung muss ja schließlich auch was Positives haben.
Charles Brendon, zum Beispiel, kenne ich nicht, aber bestimmt ein famoser Kerl, ist Credit Manager in der Standard Bank Plc Südafrika, und winkt mit 4,4 Millionen Euro. Ein deutscher Kunde sei mitsamt Familie bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen und nun sucht der gute Charles jemanden mit Konto in Deutschland, um besagte Summe aus Südafrika zu transferieren. Die vorgeschlagene Aufteilung, 60 Prozent für ihn, 40 für mich, finde ich fair, er hat ja auch die ganze Arbeit.
Zumal ja noch viel mehr Geld kommt! Patrick Chan, Executive Director & Chief Financial Officer der Hang Seng Bank Ltd, Hongkong, bietet mir „die Übertragung von einer großen Geld“ an. Und eine Mrs. Joy Henry vom Bureau of National Investigations in Nigeria gedenkt, mir 10,5 Millionen US-Dollar aus übriggeblieben Fördertöpfen von UN und Währungsfonds zu überlassen.
Also von wegen Armer Poet wie auf dem Mitleid erregenden Gemälde. Nicht Spitzweg, sondern Sparkasse: Mein Haus, mein Auto, mein Boot!. So sieht mein Leben bald aus! Lieber keinen Hubschrauber, denn beim Absturz eines solchen ist angeblich ein reicher mexikanischer Kunde von Dr. Christopher Harrison ums Leben gekommen. Der Assistent der Geschäftsleitung einer Bank in London ist nach einjähriger vergeblicher Suche nach Angehörigen nun willens, so schreibt er in seiner Mail, mir die Erbschaft über 16,5 Millionen Pfund zu überweisen. 60 Prozent für ihn, 40 Prozent für mich.
Puh, wohin bloß mit all den Millionen, ob ich jetzt selbst zum Sponsor werden soll? Ja, das gehört sich so, und deshalb rufe ich gleich mal den Finanzminister Schäfer an. Der arme Kerl kümmert sich um die hessische Staatskasse, sitzt auf 40 Milliarden Euro Schulden und darf bald keine neuen Kredite mehr aufnehmen. Schuldenbremse, Sie wissen schon, haben Sie selbst für abgestimmt!
Ich kann reichlich abgeben, zwischenzeitlich hat mich auch noch ein gewisser Cosmas Zuma einer irgendwo residierenden National Commercial Bank gebeten, ihm meine Kontodaten zu geben, weil ich von irgendjemand sieben Millionen Dollar geerbt habe. Da kann ich ja eigentlich auch noch dem Frankfurter Stadtkämmerer Becker einige Milliönchen überlassen. Der wird sich freuen, hat er doch in seinem Haushalt ein Loch von 270 Millionen Euro.
Gerade kommt wieder eine E-Mail, Keith MacDonald, Banker von Beruf, der mir „a certain amount of Money“ ankündigt. Der Eigentümer des Geldes sei leider bei einem „ghastly motor accident“ verstorben. Komisch, schon wieder ein Unfall, und warum will eigentlich auch Keith ausgerechnet 60:40 teilen?
Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 30. Mai 2012