Was für’n Weihnachtsbaum?

So, Endspurt, liebe Leser! Am Sonntag ist Heilig Abend! Haben Sie alle Geschenke zusammen, ist der Weihnachtsbaum aufgestellt? Wenn letzteres noch nicht geschehen ist, darf ich hier vorsorglich auf die Warnung des Naturschutzbundes (Nabu) Hessen hinweisen, Weihnachtsbäume ohne Gift zu kaufen, auf kurze Transportwege, regionalen Anbau und Ökolabel zu achten. Hm, damit wird die Auswahl anspruchsvoll.

Denn nur selten stehe am Heiligen Abend tatsächlich ein heimischer Nadelbaum in der Wohnung, gibt der Nabu-Landesvorsitzende Gerhard Eppler zu Bedenken, beliebter seien Nobilistannen oder Blaufichten. Der Nabu empfehle deshalb den Kauf von Fichten, Kiefern oder Tannen, die mit dem FSC-Siegel oder den Labeln der ökologisch arbeitenden Anbauverbände Bioland oder Naturland gekennzeichnet seien.

Hu, heikel! Denn das FSC-Siegel ist in der Landespolitik sehr umstritten. Umweltministerin Priska Hinz von den Grünen lässt gerade den gesamten hessischen Staatswald mit diesem Siegel des „Forest Stewardship Councils“ zertifizieren. Kurz gesagt, betreibt und vermarktet diese Organisation ein System zur Kennzeichnung nachhaltiger Forstwirtschaft. Schwarz-Grün findet das gut, SPD und FDP sehen die Plakette dagegen skeptisch.

„Bei der Vorgehensweise des Umweltministeriums für die FSC-Zertifizierung stellen wir uns die Frage, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht“, meint Heinz Lotz, sogenannter forstpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Er argwöhnt, das Umweltministerium verheimliche eine Stellungnahme des Landesbetriebs Hessen-Forst, die sich klar gegen eine FSC-Zertifizierung ausspreche.

Wenn die landeseigenen Förster Bedenken gegen dieses Siegel haben sollten, wäre das sicherlich wissenswert. Deshalb forderte auch der FDP-Abgeordnete Jürgen Lenders Ministerin Hinz auf, „für Transparenz zu sorgen und endlich den Bericht zur FSC-Zertifizierung den Landtagsabgeordneten in einer ungeschwärzten Version zukommen zu lassen“. Dies verlangte er bereits im Juli dieses Jahres. Die Abgeordneten warten noch heute.

Lenders hatte bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass mit dem seit Jahren schon flächendeckend eingesetzten PEFC-Zertifikat bereits Umweltstandards erreicht würden, die international anerkannt seien. Die dummerweise den FSC-Anhängern nicht ausreichen …
Und damit sind wir wieder beim aktuellen Weihnachtsbaum, nämlich dem im Landtag zu Wiesbaden. Denn den hat die „Regionale PEFC-Arbeitsgemeinschaft Hessen“ dem Landtagspräsidenten Norbert Kartmann überreicht – „als Symbol für nachhaltig bewirtschaftete Wälder“.

PEFC, FSC, ach herrje! Wer ist jetzt bloß nachhaltiger? Was dem Landtagspräsidenten an Öko-Standard reicht, ist der Umweltministerin zu wenig?
Sei’s drum für heute. Wir wollen uns doch „auf die weihnachtliche Vorfreude und die darin liegende Friedensbotschaft einstimmen“, wie die Baumspender von der PEFC-Arbeitsgruppe fröhlich singen, und uns an der „ganz besonders schönen Tanne“ erfreuen.

Eine Tanne: Das sollte ja den Nabu erfreuen, ebenso wie der Umstand, dass in der Staatskanzlei mit der Rotfichte eine weitere von den Umweltschützern offenbar bevorzugte Koniferenart steht. Überreicht vom Hessischen Waldbesitzerverband an Staatskanzlei-Chef Axel Wintermeyer.

Ob überhaupt, und wenn ja, welches Siegel diese Fichte trägt, weiß ich gerade nicht, aber auf jeden Fall ist es – hoffentlich ebenso zur Freude des Nabu – ein „heimischer Nadelbaum“: Er stammt aus Heidenrod.
Frohe Weihnachten!

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 20. Dezember 2017

Kommentar verfassen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..