Ob Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und nun auch noch Tegut – wo jetzt überall Pferdefleisch in Lasagne, Ravioli, Tortellini, Bolognese-Soße etc. gefunden wurde, schreit alle Welt empört auf. Oder schrie zumindest, denn jetzt hat ja mit diesen Bio-Eiern, die keine sind, schon der nächste Lebensmittelskandal die Verbraucher erreicht.
Ein nordhessisches Städtchen dürfte sich allerdings die Hände reiben. Oder sollte es zumindest, liegt doch eine neue Einnahmequelle auf der Hand.
Oder sprechen wir im Behördendeutsch lieber von einer Ausweitung der Steuerobjekte. Erinnern Sie sich? Die 8400-Einwohner-Kommune führt als erste deutsche Stadt überhaupt die Pferdesteuer ein. Etwa 150 der Tiere stehen in dem Städtchen im Werra-Meißner-Kreis zur Verfügung. Da hält sich bei erhofften Einnahmen von 200 Euro je Gaul der Gewinn für die Stadtkasse zwar in Grenzen, aber was tun die Stadtoberen landauf, landab nicht alles, um unter den Rettungsschirm für klamme Kommunen schlüpfen zu können. . .
Aber jetzt können die Steuerjäger in Bad Sooden-Allendorf richtig loslegen: Alle eingangs genannten Einkaufsmärkte gibt es laut Branchenverzeichnis dort auch also, drauf mit der Pferdesteuer! Ob lebendig oder Lasagnekomponente, Hauptsache Pferd!
Und was macht unsere Verbraucherschutzministerin Lucia Puttrich? Fordert natürlich härtere Strafen für Fleischbetrug. Nicht nur, dass den Bad Soodenern die gerade erst eröffnete Einnahmequelle wegbräche, so ist diese Forderung doch auch irgendwie ausgelutscht. Hört man genau so nach jedem besonders schrecklichen Verbrechen, jedem besonders blutigen Verkehrsunfall und so weiter. Tun tut sich in der Folge regelmäßig nichts.
Meist sind ja auch nicht zu niedrige Strafen das eigentliche Problem, sondern mangelnde Überwachung der Gesetze und Vorschriften. Hat also nicht lange gedauert, und schon meldete sich in der Hessenschau der Landesverband der Lebensmittelkontrolleure zu Wort und kritisierte genau dies.
Tja, die einen verwursten ihre Pferde in die Lasagne, die anderen tun alles, damit ihren Gäulen nur ja nichts passiert. Beispielsweise Innenminister Boris Rhein. Der stellte am Freitag eine Ganzkörperpanzerung für seine Polizeipferde vor. So gibt es künftig einen speziellen Kopfschutz für Augen und Nasenbein, erfahren wir. Der Kopfschutz biete besonderen Schutz beispielsweise gegen Steinwürfe, Zwillenbeschuss und Pyrotechnik. Gegen alles also, was der gemeine Wutbürger so alles zum Einsatz bringt, wenn er auf die Straße geht. Der Beinschutz soll vor allem bei Fußballspielen und Demonstrationen mit Steinwürfen und gezielten Flaschenwürfen mit Splitterwirkung vor den Beinen der Pferde ausreichend Schutz bieten und so mögliche Verletzungen der Pferde minimieren.
Vielleicht wäre das ja auch was für die Rösser auf dem Mainzer Rosenmontagszug. Da hat doch ausgerechnet der Zugmarschall Ende der Woche zu bedenken gegeben, aus Sicherheitsgründen auf den Einsatz von Pferden beim Umzug zu verzichten.
Oh, oh, oh bekanntlich ist kaum jemand humorloser als organisierte Narren: Die Reitercorps der Garden liefen, pardon, ritten Sturm gegen das Ansinnen. Und der Marschall muss jetzt sehen, dass er nicht zu Lasagne verarbeitet wird.
Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 27. Februar 2013