Tage wie diese

Das waren Tage, diese vergangenen Tage, was? Da kam man ja kaum noch zum Luftholen bei soviel Jubeldaten. Am erfrischendsten war da wohl noch der Tag des Bieres, der traditionell am 23. April gefeiert wird. Den hat die hopfenpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Martina Feldmayer, am Donnerstag ganz geschickt genutzt, um ein brisantes politisches Anliegen ihrer Partei zu transportieren. Sie verknüpfte nämlich den bekanntlich beträchtlichen Bierdurst der Deutschen mit der Angst vor Fracking.

„Der Tag des Bieres erinnert an das Reinheitsgebot von 1516, demzufolge in Bier nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser gehören – und keine gesundheitsschädlichen Chemikalien – das muss auch so bleiben“, forderte Feldmayer also. Mit solcherlei Chemikalien wird Erdgas aus tiefen Gesteinschichten gewonnen und deshalb will Feldmayer das Fracking-Verbot von bislang wenigen Schutzgebieten zur Grundwasserförderung auf alle Trinkwassergebiete ausgeweitet wissen. Denn die Grüne weiß: „Wasser (also das chemikalienverseuchte, d.Red.) sucht sich aber immer seine Wege und kann auch in die Brunnen der Brauer gelangen!“

Furchtbar. Also diese Forderung unterstütze ich voll und ganz!

Der 23. April ist aber auch der „Welttag des Buches“, woran uns SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel erinnert. Zugegeben, das Thema ist jetzt trockener als der Tag für den Gerstensaft, aber das passt ja auch etwas zur Person des Erinnernden. „Der 23. April ist weltweit der höchste Feiertag der Bibliophilen“, erklärt Schäfer-Gümbel staatstragend, lässt dann noch einige intellektuelle Sätze folgen, kommt zur Krise der Buchverlage und Buchhandlungen und endet bei den „dubiosen Geschäftspraktiken“ von Amazon, vor denen es die Branche zu schützen gelte.

Genauer geht es jetzt leider nicht, denn ich muss mich sputen, um alle Tage abzuarbeiten. Kommen wir also zum 24. April. Anlässlich des „Internationalen Tages zur Abschaffung der Tierversuche“ setzten sich die Grünen am Freitag dafür ein, die Zahl der Tierversuche zu reduzieren. „Wir müssen noch intensiver daran arbeiten, praxisfähige Alternativen für Tierversuche zu etablieren“, mahnt die Abgeordnete Ursula Hammann. Denn man wisse heute, dass Ergebnisse aus Tierversuchen nicht prinzipiell auf den Menschen übertragen werden könnten.

Gut, bin ich dann auch mal dafür. Um die Verträglichkeit eines Lippenstifts zu testen, muss meinetwegen kein Tier sterben.

Vom Tier zur Pflanze: Am 25. April wird seit über einem halben Jahrhundert schon dem Baum weltweit ein eigener Tag gewidmet, worauf uns das Umweltministerium hinweist. Und da will die zuständige Ministerin Priska Hinz von den Grünen einen Feldahorn pflanzen, denn der ist Baum des Jahres 2015. Da der 25. April jetzt aber dummerweise ein Samstag war, hat sie den Ahorn bereits am Donnerstag im Stadtwald von Groß-Umstadt mit Kindern aus dem dortigen Waldkindergartens gepflanzt. Natürlich nur, weil samstags die Kindergartenkinder nicht arbeiten, haha!

Am Donnerstag war dann ja noch „Girls’ Day“, natürlich auch gefeiert im Landtag und in den Fraktionen. Besonders spannend war das wohl bei der SPD: „Nach einem gemeinsamen Mittagessen weckten SPD-Abgeordnete das Interesse der Mädchen in einem politischen Gespräch, bei dem auch sie sich beteiligen durften und rhetorisch aktiv wurden“, heißt es in der enthusiastischen Mitteilung. Gähn, also die Mädels durften offenbar auch irgendwann mal was sagen, heißt das dann wohl?

Dann folgten erstmal ein paar Ruhe- statt weiterer Gedenktage. Bis heute! Heute ist der „Tag gegen Lärm“, entwickelt unter anderem von der „Deutschen Gesellschaft für Akustik“. Zu diesem Anlass rufen die hiesigen Bürgerinitiativen gegen Flug- , Bahn- und Straßenlärm zu einer Sternfahrt nach Berlin auf, um da mal „Flagge zu zeigen“.

Na, wie gut, dass Verkehrsminister Tarek Al-Wazir gerade den ersten erfolgreich absolvierten Tag der Lärmpause gefeiert hat!

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 29. April 2015

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