Schon wieder Hessentag

Am Freitag geht die große Feier wieder los: der jährliche Hessentag, dessen Name eine gewisse zeitliche Singularität suggeriert, der aber in Wirklichkeit volle zehn Tage dauert. Und das jedes Jahr. Nur Hessen feiert so oft und so lange und so teuer. Woran sich so manch einer stört. Der Steuerzahlerbund zum Beispiel. Die Opposition im Landtag zum Beispiel.

Da sind ja inzwischen die Rollen (teilweise) vertauscht, was jetzt zu ganz erstaunlichen Erkenntnissen führt. So meldete sich Jörg-Uwe Hahn jüngst aus der letzten Reihe seiner FDP-Fraktion und verkündete, man solle den Hessentag doch künftig nur noch im Zwei-Jahres-Rhythmus ausrichten. Das Ganze sei zwar „eine gute Veranstaltung“, aber der finanzielle und organisatorische Aufwand sowohl für das Land als auch für die ausrichtenden Kommunen sei so hoch, dass ein zweijähriger Turnus ausreiche.

Eine geradezu revolutionäre Einsicht. Diese Überzeugung pflegt Hahn aber auch erst als oppositioneller Haushaltspolitiker. Als stellvertretender Ministerpräsident und Superminister (ja, das war er mal alles), sah der FDP-Mann die Dinge noch ganz anders. „Als Integrationsminister des Landes Hessen ist es mir auch besonders wichtig, auf die vielfältigen Chancen der Begegnung hinzuweisen, die der Hessentag bietet. Dies bietet für uns alle in jedem Jahr erneut die Möglichkeit, Hessen neu zu betrachten und eine Basis für die gemeinsame Heimat zu entdecken“, freute er sich beispielsweise 2010 in Stadtallendorf.

Ist doch auch klar. Bei dem Friede-Freude-Eierkuchen-Fest gibt es für die Landesregierenden zahllose schöne Auftritte mit genauso schönen Fotomotiven. Wer will sich das schon entgehen lassen?

Als es darum ging, dass sich Hahns Heimatkommune Bad Vilbel um die Ausrichtung im Jahr 2015 bewerben solle, standen er und seine örtlichen Liberalen ganz vorne im Begeisterungschor. Umso größer die Enttäuschung als eine Mehrheit in der Stadtpolitik das finanzielle Risiko scheute. „Eine Chance sei vertan worden, gemeinsam etwas für die Stadt zu erreichen“, jammerte Hahn damals.

Und heute? „Rücksicht auf angespannte kommunale Haushalte“, mahnt gestreng der „haushaltspolitische Sprecher“ Hahn.

Irgendwie ist sein aktueller Aufruf aber nicht so richtig durchgedrungen, weswegen sein Fraktionschef Florian Rentsch am Montag nachlegte. Sicher eine „sinnvolle Veranstaltung“, aber die Schuldenbremse müsse eine höhere Priorität haben deswegen: „Hessentag ab 2015 im Zwei-Jahres-Rhythmus ausrichten!“ Die Schuldenbremse ist ein Hinweis Rentschs auf die regelmäßigen Millionen-Zuweisungen aus der Landeskasse für die ausrichtenden Kommunen. Die dann trotzdem am Ende stets einige Millionen Miese in der Bilanz stehen haben.

Hessentag nur alle zwei Jahre – das ist keine neue Forderung. Die Grünen verlangten eine solche Beschränkung der „Megasause“ in der Vergangenheit immer wieder. Da waren sie aber auch in der Opposition. Und heute? Eine Reduzierung der Kosten sei anzustreben, heißt es jetzt auf Anfrage schlicht bei der Ökopartei. So steht’s auch offiziell im schwarz-grünen Koalitionsvertrag.

Da wünsche ich schon mal viel Spaß mit dem Koalitionspartner CDU. Der Union ist der alljährliche Hessentag so etwas von sakrosankt, wie naja, zumindest früher mal die Wehrpflicht.

Eisern ist der Steuerzahlerbund. Dessen Landesvorsitzender Joachim Papendick fordert angesichts der dieses Jahr ebenfalls stattfindenden Landesgartenschau in Gießen, „ein größeres Hessenevent im Jahr reicht völlig aus“. 2018 steht diese Duplizität der Ereignisse wieder an. Da genüge es doch, so Papendick, nur die Landesgartenschau in Bad Schwalbach auszurichten, zumal eh noch keine Hessentags-Stadt feststeht. Und für den berühmt-berüchtigten Hessentagsumzug der Verbände und Vereine böte die Gartenschau doch auch ein „sehr attraktives Ambiente“.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 4. Juni 2014

 

 

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