Holy Denglisch!

An seinem Umgang mit Kritik und Spott zeigt sich ja stets die Größe des Gescholtenen. Von daher nötigt mir die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, kurz EKHN, momentan großen Respekt ab. Denn die hat gerade den zweifelhaften Preis „Sprachpanscher des Jahres“ bekommen für ihre in der Tat seltsam klingenden Deutsch und Englisch vermischenden Sprachungetüme wie „Segen erleben – Moments of Blessing“ oder „BlessU-2“. Und die „godspots“ kamen beim Verein Deutsche Sprache ebenfalls nicht gut an – das sind kostenlose Internet-Zugänge in evangelischen Kirchen. Das sei doch ausgerechnet im Luther-Jahr eine Verhöhnung des Reformators, der für seine Bibelübersetzung oft wochenlang nach deutschen Wörtern gesucht habe, schimpft der Verein.

Und was macht die EKHN? Anders als viele andere dies tun würden, taucht sie nicht ab, sondern bläst die Nachricht über den Erhalt des wenig schmeichelhaften Preises fröhlich in alle Welt hinaus. Die Evangelische Kirche Deutschland kontert stellvertretend für alle ihre Landeskirchen mit einem Luther-Zitat: „Sie toben oder rasen, jch wil nicht wehren, das sie verdeutschen was sie wöllen, ich wil aber auch verdeutschen, nicht wie sie wöllen, sonder wie ich wil.“

Touché! Oder dem Verein Deutsche Sprache zuliebe: Treffer!

Wie die EKHN einen Preis, so hat das katholische Bistum Mainz einen neuen Bischof bekommen: Am Sonntag wurde Peter Kohlgraf entsprechend geweiht und hoch offiziell in sein Amt eingeführt. Der neue Oberhirte ist Professor Doktor, der befleißigt sich hoffentlich eines anständigen Deutschs!

Weil das Bistum Mainz zu zwei Dritteln auf hessischem Gebiet liegt, gratulierten auch Ministerpräsident Volker Bouffier und sein Kultusminister Alexander Lorz ganz artig. Mit seinem Wissen aus der Seelsorge und den Erfahrungen im wissenschaftlichen Bereich der praktischen Theologie wisse Kohlgraf um die Anliegen der Gläubigen und die heutigen Herausforderungen für die Kirche, meinte Bouffier, während Lorz seine Zuversicht kundtat, „dass das Wirken von Bischof Kohlgraf nicht nur im innerkirchlichen Bereich, sondern auch darüber hinaus in unserem Land und in unserer Gesellschaft Früchte tragen und Spuren hinterlassen wird“. Amen!

Wechseln wir vom Weihwasserbecken zum Hochwasserrückhaltebecken. Was ein ellenlanges Wort! Ist zwar sehr deutsch, aber vielleicht auch mal einer Überarbeitung wert, oder was meint Ihr vom Verein Deutsche Sprache dazu?
Ein solches Becken hat Umweltministerin Priska Hinz am Samstag an der Bauna eingeweiht. Der Klimawandel sei auch in Hessen heute schon zu spüren, meint die grüne Ministerin nämlich, und die extremen Wetterereignisse wie Starkregen und Hagel führten zu steigenden Flusspegeln. Umso wichtiger sei es, rechtzeitig in nachhaltigen Hochwasserschutz zu investieren. Hallelujah!

Ob durch den Klimawandel auch Haie in hessische Gewässer kommen? So störende ausländische Muscheln und Krebse sind ja schon zuhauf da. Vermutlich wird so ein Hochwasserrückhaltebecken für einen Hai aber genauso zu klein sein, wie nach Ansicht von Tierschützern das geplante Haifischbecken in Pfungstadt.
Das soll „Shark City“ heißen und wird bekämpft von einer Initiative namens „Sharkproject“. Könntet Ihr da nicht auch mal zubeißen, Ihr da vom Verein Deutsche Sprache?

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 30. August 2017

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