Hausaufgaben

Das hat er sich so schön gedacht, der Kultusminister Lorz. „Von nun an gilt es, Freizeitparks, Badeseen und Eiscafés statt Bücher und mathematische Formeln zu erkunden“, lässt er zum Beginn der Sommerferien wissen. Und hat für sich selbst wohl auch eine Auszeit von Ministerialakten und Landtagsdrucksachen im Auge. Doch so einfach will es ihm die Opposition nicht machen. „Der Kultusminister bekommt zahlreiche Hausaufgaben mit in die Sommerfreien“, stellt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Christoph Degen, fest, nachdem Vertreter von Lehrern, Eltern und Schülern am Freitag mehr Bildungsgerechtigkeit von Lorz verlangt hatten. Die Forderungen von Landeselternbeirat, Landesschülervertretung, Elternbund, Grundschulverband und GEW nach mehr echten Ganztagsschulen, längerem gemeinsamem Lernen, besserer individueller Förderung, Inklusion und gleichen Bildungschancen für alle, seien ein Weckruf, der nicht ungehört verhallen dürfe, mahnt Degen.

Ein Weckruf in den Ferien ist ja nun nicht unbedingt das, was man sich in dieser Zeit wünscht, zumal ja auch der Hessische Philologenverband darauf hinweist, „Sommerferien sind zur Erholung da!“. Wobei, wenn ich dessen Pressemitteilung so weiter lese, bezieht sich diese Forderung wohl eher auf den Nachwuchs. Ein Appell an die Eltern, ihren Kindern eine Pause zu gönnen: „Ferien sollen Möglichkeiten zum Abschalten, zum Entspannen bieten. Auf strikte Lernprogramme sollte verzichtet, vielmehr sollten die freien Tage zur Erholung genutzt werden.“

Aber für die Lehrer hat der Verband ebenso ein Herz. Kein Wunder, schließlich verbirgt sich hinter den Philologen die Gewerkschaft der Gymnasiallehrer. „Auch für Lehrer bietet die unterrichtsfreie Zeit, in die sie ihren Erholungsurlaub legen müssen, die Möglichkeit zum Entspannen und neue Kräfte zu sammeln“, heißt es in deren Mitteilung.

„Die Möglichkeit zum Entspannen und neue Kräfte zu sammeln“ – ähm, haben die Lehrer das nicht ohnehin das ganze Jahr über? Haha, Spaß muss sein.

Also, Erholung für Kinder und Lehrer, von Kultusminister Lorz ist ausdrücklich nicht die Rede. Dass SPD-Opponent Degen dem CDU-Minister keine freie Minute gönnt und ihm stattdessen Hausaufgaben aufbrummen will, ist ja eh klar…

Dabei sind die Hausaufgaben im Moment ganz umstritten in Hessen. Gut, das waren sie zu meiner Schulzeit auch schon, weshalb ich sie einfach oftmals nicht gemacht habe. Aber aktuell tritt die Landesschülervertretung (LSV) ganz rabiat auf und hat ein sogenanntes Aktionsbündnis namens „Hausaufgaben? Nein, Danke!“ gegründet. Mit Kundgebung jüngst vor dem Kultusministerium in Wiesbaden und allem Pipapo…

Allerdings wollen LSVler auch nicht komplett aufs Nacharbeiten verzichten: Statt Hausaufgaben soll eine verpflichtende Vor- und Nachbereitung in der Schule treten, bei der auch Lehrer anwesend sind. Aber danach dürfe es dann keine zusätzlichen, verpflichtenden Hausaufgaben mehr geben, weil das die Schüler überlaste, so deren Ansatz.

Für die Streber der Jungen Union und der Schüler Union ist das natürlich nichts. Die lehnen den Vorschlag ab, weil er den Schülern die Selbstständigkeit nehme. Auch wenn sie zwar an die Bedürfnisse der Schüler angepasst werden müssten – „Hausaufgaben sind per se nichts Schlechtes“.

Streber!

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 20. Juli 2016

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