Beim Blick auf das neugewählte Führungsduo der hessischen Grünen hatte ich am Samstag für einen klitzekleinen Moment geglaubt, bei der Grünen Jugend gelandet zu sein: Zwei strahlende junge Gesichter an der Spitze des Landesverbands, wo zuvor ein (alters-)gemischtes Doppel auf dem Platz stand. Aber nein, war schon alles richtig. Neben dem im Amt bestätigten Kai Klose wählten die Mitglieder Angela Dorn zur neuen Co-Vorsitzenden. Die 35-Jährige löst damit Daniela Wagner ab, die mit ihren 60 Jahren zuvor eher die „Best Ager“ repräsentiert hat.
Na immerhin scheint mir der mit seinen 42 Jahren immer noch lausbubenhaft lächelnde Kai Klose seit seiner Ernennung zum Staatssekretär sofort staatstragender dreinzublicken. Der Job als weiblicher Teil im Führungsduo der Hessen-Grünen scheint übrigens ein ganz knallharter zu sein. Kaum war Dorn gewählt, verkündete sie, ihren Posten als Parlamentarische Geschäftsführerin der Landtagsfraktion abzugeben. Vorgängerin Wagner wiederum hat den Landesvorsitz abgegeben, als sie wieder ein Bundestagsmandat errungen hatte.
Was an dem femininen Führungspart so dermaßen fordernd ist, weiß ich nicht – und ich möchte angesichts des heiklen Themas auch gar nicht darüber spekulieren! Co-Chef Klose ist aber nebenbei noch Staatssekretär und Stefan Ruppert sitzt für die FDP im Bundestag und ist gleichzeitig Landesvorsitzender der hiesigen Liberalen. Sei’s drum, ist mir nur so aufgefallen …
Stirnrunzeln, Zornesröte und Sorgenfalten könnten dann aber Sonntagnacht die Gesichter der beiden jungen Grünen-Landesvorsitzenden haben altern lassen, als die Jamaika-Sondierungen in Berlin Knall auf Fall platzten. Ich habe es Ihnen, liebe Leser, vor vier Wochen an genau dieser Stelle mit diesen Worten prophezeit: „Wenn man das Schiff gen Jamaika unbedingt zum Kentern bringen will, dann, ja dann holt man Jürgen Trittin an Bord.“
Keine Bange, ich verfalle jetzt aber nicht in Triumphgejohle, dafür ist die Sache zu ernst. Der Grünen-Linksaußen Trittin hat sicher sein Gutteil dazu beigetragen, dass kein Vertrauensverhältnis zwischen den Sondierern aufkam, die öffentliche Wucht der Torpedierungsvorwürfe trifft ja nun FDP-Chef Christian Lindner. Dabei hatte unsere Frankfurter Supersondiererin Nicola Beer doch noch gegen 20 Uhr am Sonntag getwittert, die Inhalte lägen auf dem Tisch, „die Forderungen der FDP sind zu einem großen Teil abgebildet“. Dreieinhalb Stunden später war Schluss.
Die erste Quittung kam prompt am Montag: Kein Jamaika in Deutschland, also auch keine EU-Bankenaufsicht in Frankfurt! Die von vielen bereits sicher in der Mainmetropole vermutete EBA geht nach Paris. Ist doch klar, in ein solch führungsloses, der Anarchie entgegentrudelndes Deutschland kann man doch nicht ruhigen Gewissens eine so wichtige Behörde verlagern! Und das, obwohl „die Bundesregierung mit Frankfurt eine sehr gute Bewerbung abgegeben hat, die wir gern und nach Kräften unterstützt haben“, wie Ministerpräsident Volker Bouffier und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir bedauerten.
Aber auch da musste die FDP den Schwarz-Grünen wieder eins auswischen: „Indem man sich allein darauf verlässt, dass die Wahl Frankfurts als EBA-Standort eine ,logische Konsequenz‘ sei, wie es Al-Wazir gemacht hatte, sichert man sich keine Vorteile“, hämte deren „europapolitischer Sprecher“ Jürgen Lenders.
Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 22. November 2017