Ich komme aus den Geburtstagsfeiern gar nicht mehr raus. Anlässlich des 70. Geburtstags der Jungen Union Hessen fragte ich vorige Woche an dieser Stelle, ob die JU sich mit 70 überhaupt noch jung nennen dürfe. Bei der Grünen Jugend Hessen taucht zum 25-jährigen Bestehen eine ganz andere Frage auf: „Vor 25 Jahren diskutierten die Grünen heftig darüber, ob eine so junge Partei überhaupt eine Jugendorganisation braucht“, erinnern sich die beiden Landesvorsitzenden Daniela Wagner und Kai Klose. Und? Brauchen sie?
„Wir Alten sind damals ganz schön selbstgefällig gewesen“, räumt Wagner ein: „Wir glaubten allen Ernstes, dank unserer eigenen unbegrenzt haltbaren Jugendlichkeit ohne eigene ,Jugendabteilung’ auskommen zu können.“
Und heute? „Heute wissen wir: Ja, wir brauchen sie“, gibt Wagner – altersmilde? – zu, weil sie dazu beitrage, Standpunkte zu hinterfragen und beizeiten neue grüne Ideen zu entwickeln, damit auch in 25 Jahren noch gelte: „Grün wirkt.“
Der Ko-Vorsitzende Klose hat die grünen Mädels und Buben aber wohl durchschaut. „Wir wissen, dass Ihr Eure Mutterpartei manchmal für halbvergreiste Schnarchnasen haltet“, bemerkt der gerade mal 42 Jahre alte Mutterpartei-Vorturner. Und der inzwischen komplett ergraute ehemalige GJH-Vorsitzende Tarek Al-Wazir erinnert sich an einen weiteren Grund für die Einrichtung der Jugendabteilung: Sie hätten damals auf den Mitgliederversammlungen der „Alten“ nicht immer auf ihre Lehrer treffen wollen.
Ein weiterer Geburtstag, der für die Grünen natürlich von überragender Bedeutung ist, stand im Hause „Bioland“ an: Der hessische Landesverband ökologisch wirtschaftender Landwirte feierte sein 30-jähriges Bestehen. Wie schon Wagner und Klose zuvor, liefert auch Martina Feldmayer, die sogenannte landwirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, bemerkenswerte Einsichten in alte Zeiten: „Was in den 80er Jahren noch als Schrulle Möhren mümmelnder Latzhosenträgerinnen und -träger verspottet wurde, ist heute längst aus der Nische herausgewachsen und hat sich zu einem der wachstumsträchtigsten Bereiche der Landwirtschaft entwickelt.“
Möhren mümmelnde Latzhosenträgerinnen?! Feldmayer lässt allerdings offen, ob sie damals dazugehörte. Auf jeden Fall, „wir Grüne waren und sind davon überzeugt“, dass umwelt- und sozialverträgliche Wirtschaftsweisen auf lange Sicht auch ökonomisch die nachhaltigsten seien, und die ökologische Landwirtschaft sei ein Paradebeispiel dafür.
Dieser Überzeugung frönten die Grünen denn auch prompt am Freitag, dem „Tag der Erde“. Feldmayer und ihre Fraktionskollegin Ursula Hammann reimten anlässlich des Erdtagsmottos „Mein Essen verändert die Welt“ zum Thema Lebensmitteleinkauf: „Bio, regional und fair bringt mehr.“ Und außerdem solle man doch nicht so viele Lebensmittel wegwerfen. Ihren Aufruf garnierten die beiden Grünen-Damen, die ich noch nie in Latzhosen gesehen habe, mit zwei „Rezepten für die regionale und die Resteküche“: Hammann serviert „Ursulas Haselnuss-Möhren-Spaghetti“, und Feldmayer mengt „Reste aus Martinas Kühlschrank“ zu einer Art Auflauf.
Die famosen Rezepte leite ich Ihnen gerne weiter, liebe Leser – und dann heißt es: Wohl bekomms!
Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 27. April 2016