Die Olympischen Spiele in London sind ja nun rum, aber ein Bild wird so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen. Alle Welt sieht wie der Hammer fällt, und zwar auf die 77-Meter-Linie, geworfen von der Frankfurterin Betty Heidler. Also, eigentlich ja nicht wirklich ein Hammer, sondern eine Eisenkugel mit Schnur dran. Und was steht auf der elektronischen Anzeigetafel? 72-Meter-ungerad.
Gezittert hat bei diesem Anblick auch unser Sportminister Boris Rhein. So sehr gezittert offenbar, dass der CDU-Mann diesen emotionalen Zustand gleich zwei Mal per Pressemitteilung der daran jetzt mehr oder minder interessierten Öffentlichkeit kundtat.
Überhaupt hat unser Sportminister dienstbeflissen jede Medaille eines hessischen Olympioniken ausgiebig gewürdigt. Weil es ja nicht gar so viele waren, will ich an dieser Stelle schnell mal alle vier namentlich nennen. Und natürlich Rheins Lob in gekürzter Form.
Da wäre also Turner Florian Hambüchen (volles Risiko geturnt), Reiterin Dorothee Schneider (mit dem Dressurteam brilliert), Tischtennisspieler Timo Boll (Leistung auf höchstem Niveau) und natürlich Hammerwerferin Betty Heidler (verdiente Bronzemedaille).
Auch von meiner Seite Gratulation an die Athleten: Toll, wie Ihr volles Risiko brilliert und auf höchstem Niveau Medaillen verdient habt!
Wo der Hammer hängt, haben in den vergangenen Tagen mal wieder diejenigen Heißsporne im Wiesbadener Politbetrieb ihren Gegnern gezeigt, die sich am allerliebsten aneinander reiben: Grüne und FDP. Die Grünen beim Thema Energiewende: „Wirtschaftsminister Rentsch erzählt Unfug.“ Konter FDP: „Polemische Vorwürfe der sogenannten Umweltpartei.“
Grüne zum Thema Schulanfang: „Kultusministerin Beer perspektiv- und orientierungslos.“ Konter FDP: „Wahrnehmungsstörungen als Grundlage für die krampfhafte Kritik.“ Und weil es um Schule geht, meldet sich auch noch CDU-Rechtsaußen Hans-Jürgen Irmer: „Berufsnörgler der Grünen! Sprücheklopfer der Opposition!“, schimpft der Wetzlarer, in der Unions-Fraktion nicht nur für Islam-Diffamierung, sondern auch für Bildungspolitik zuständig.
Unterm Hammer war mal wieder eine CD mit Steuersünderdaten. Zugeschlagen hat zwar nicht Hessen, sondern Nordrhein-Westfalen, aber deswegen kann man ja trotzdem ruhig auch in Hessen darüber streiten. Finanzminister Thomas Schäfer von der CDU solle seinen Widerstand gegen solcherlei Käufe aufgeben, fordert Sigrid Erfurth von den Grünen. Nicht nur lehne er CD-Käufe ab, sondern bezeichne sie sogar als politisch motiviert. Gibt Erfurth sogar gerne zu: „Wir haben tatsächlich eine Motivation, solche Ankäufe zu befürworten. Und zwar eine finanzpolitische.“ Auch die Linke hat eine Meinung: „Steuer-CDs- Fahndungsdruck statt ,brutalstmöglicher Unterstützung‘.“ Von wem oder was bleibt nebulös, ist aber ein schönes Stichwort.
Brutalstmöglich, ja da klingelt doch was, oder? So sollte die Aufklärung aussehen, die Roland Koch in der Parteispenden-Affäre der CDU versprach. Das Wort ist für immer an ihm haften geblieben, weshalb sich auch die SPD sofort darauf stürzt. Die Genossen erwarten von Koch erneut brutalstmögliche Aufklärung.
Nicht mehr in Politdingen, da ist der inzwischen auf Bilfinger-Berger-Boss umgeschulte Koch raus. Aber als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschland-Filiale der Schweizer Großbank UBS da frage sich die SPD doch, welche Rolle Koch beim mutmaßlichen Transfer von Geldern aus der Schweiz nach Singapur spiele?
Hammerhart, die Sozis!
Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 15. August 2012