Wo die Millionen fliessen

Kohle für Kengeter, Moneten für die Opel-Manager. Das waren tolle Nachrichten in den vergangenen Tagen, was? Der Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, erhält für das Jahr 2016 eine Gesamtvergütung von 7,3 Millionen Euro und rückt damit gehaltstechnisch in die Spitzengruppe der DAX-Konzernlenker auf. Und die Chefetage von Opel bekommt angeblich insgesamt 20 bis 30 Millionen Euro vom amerikanischen Mutterkonzern GM, wenn der Verkauf an den französischen Konkurrenten PSA klappt. Macht bei neun Geschäftsführern der Opel Group eine stattliche Prämie pro Nase. Und für was das alles?

Dafür, dass Kengeter im Verdacht des verbotenen  Insiderhandels steht, er die geplante Fusion mit der Londoner Börse gründlich verbockt hat (zum Glück für den  Finanzplatz Frankfurt!), und dass wegen der Millionenausgaben für die Übernahmevorbereitungen nun ein großes Sparpaket geschnürt werden muss, das die Mitarbeiter in Eschborn und Frankfurt ausbaden müssen?

Dafür, dass die Opel-Geschäftsführer einfach nichts machen, stillhalten und sich den Franzosen freundlich zum Verkauf anbieten? Während die Mitarbeiter in Rüsselsheim und anderen deutschen Werken nach dem Auslaufen der Beschäftigungsgarantien reihenweise ihre Jobs verlieren dürften?

Tja, da verwundert es nicht wirklich, wenn so einer wie Martin Schulz mit seinen in der Endlosschleife wiederholten Schlagworten „Gerechtigkeit“ und „Deutschland gerechter machen“ riesige Zustimmungswerte bekommt – selbst wenn seine Parolen noch vollkommen inhaltslos sind. Thorsten Schäfer-Gümbel und seine Hessen-SPD haben das schon lange vor dem Schulz-Hype gewusst: „Hessen sozialer und gerechter machen“, rufen die Genossen hierzulande schon seit geraumer Zeit.

Obwohl Sozis bei solchen Gehaltsauswüchsen ja auch kräftig mitwirken: Die VW-Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt, frühere hessische Ministerin für Justiz sowie später für Wissenschaft und Kunst mit SPD-Parteibuch, kassiert für ihren Abgang bei dem Autokonzern nach einem Jahr mehr als zwölf Millionen Euro. Im VW-Aufsichtsrat sitzen: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies – beide von der SPD.

Aber zurück zu Schulz: Nach der Saarland-Wahl sehen viele den „Schulz-Zug“ ja schon an die Wand gefahren, entgleist oder aber mindestens ausgebremst. Fast könnte man den Eindruck haben, Schulz sei dort Spitzenkandidat gewesen und nicht die frühere Kugelstoßerin Anke Rehlinger…

Der Landesvorsitzende der Hessen-CDU, Ministerpräsident Volker Bouffier, glaubt seit dem Wahlsonntag ebenfalls, „der Schulz-Effekt ist verpufft und die SPD-Party geht langsam zu Ende“. Na, mit solchen Aussagen warte ich lieber erstmal ab, bis die Wahlen in Schulz’ Heimatland Nordrhein-Westfalen (14. Mai) und die Bundestagswahl (24. September) – wo er dann tatsächlich selbst zur Wahl steht – gelaufen sind.

Wobei hier in Hessen der Schulz-Effekt ja auch nicht funktioniert hat: Obwohl der Wundermann aus Würselen bei der Oberbürgermeisterwahl in Darmstadt ordentlich Wahlkampfhilfe für den SPD-Kandidaten Michael Siebel geleistet hat, hat dieser ein historisch schlechtes Ergebnis für die SPD eingefahren. Mehr „Schulz-Draisine“ als „Schulz-Zug“.

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