Wie im Film, oder nicht?

Beim Blick auf den US-Präsidentschaftswahlkampf bekomme ich so seltsame Ideen. Angesichts gemeinsamer Auftritte von Hillary Clinton und Michelle Obama stelle ich mir die Frage, wie sähe das wohl in Hessen aus? Ist das bedenklich, muss ich etwa schon zum Arzt?

Wie auch immer, wenn also die ehemalige First Lady im Rennen um die Staatskanzlei in Wiesbaden von der aktuellen unterstützt würde? Wenn also Anke Koch Ministerpräsidentin werden wollte und Ursula Bouffier sie auf Wahlkampftour durch, sagen wir mal, Waldeck-Frankenberg unterstützen würde. Womit ich jetzt ausdrücklich nichts gegen Waldeck-Frankenberg gesagt haben möchte . . .

Lassen wir das mal lieber. Manches ist einfach so grotesk, so schöne Geschichten schreibt dann doch noch nicht mal das sogenannte wahre Leben. Zumal mir in der gesamten hessischen Landespolitik kein solch substanzloser, dummdreister Lügner einfallen würde, der die Trump-Rolle spielen könnte. Manch einen habe ich möglicherweise im Kopf, der dem Hetzer mit der seltsamen Frisur nahe kommen könnte. Könnte, mehr aber auch nicht, zum Glück.

Da fügt es sich doch gut, dass Hessens Schüler laut einer neuen Studie „deutlich verbesserte“ Englischkenntnisse haben. Da können sie wenigstens verstehen, welch unsäglicher, die Demokratie beschämender Wahlkampf gerade in den Vereinigten Staaten über die Bühne geht. Natürlich ist es umgekehrt nicht schön, in jenem „Bildungstrend“ zu lesen, dass die Schüler hierzulande gleichzeitig im Fach Deutsch schlechter geworden sind. Aber, who cares, Denglisch is the new Deutsch!

Manchmal glaube ich ja bei den Bildern aus den USA, bei diesem ganzen Spektakel Clinton versus Trump könnte es sich um ein gigantisches Szenario aus Hollywood handeln, wie die Politsatire „Wag the Dog“ oder die Serie „House of Cards“ um einen skrupellosen Abgeordneten auf dem Weg ins Weiße Haus.

Aber leider sind die Lügen, die Beleidigungen, die Hetztiraden nicht gespielt. Realität, kein Film. Da schauen wir doch lieber mal auf die hiesige Filmszene. Hier ist nicht Hollywood, hier ist alles eine Spur kleiner, hier eröffnet der Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, das „Türkische Filmfestival Frankfurt“. Auch schön, aller Ehren wert. Irritiert haben mich nur einige Sätze aus der Mitteilung des Ministeriums. Gezeigt werden sollten „aktuelle Entwicklungen im türkischen Kino, das sich von Ländergrenzen freigemacht hat und über Weltoffenheit definieren will“. Oder Rheins Satz, das Festival trage „als wichtige Plattform für den türkischen Dialog zur interkulturellen Verständigung bei“.

„Weltoffenheit“, „interkulturelle Verständigung“ gibt es das überhaupt noch in der Türkei unter Sultan Erdogan? Sitzen die Filmschaffenden, die das leisten könnten, nicht längst im Knast?

Außerdem war unser Kunstminister Rhein auch bei der Premiere von „Pettersson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt“, ebenfalls in Frankfurt. Die Hessische Filmförderung hat den Streifen um den schrulligen Alten und seinen Kater kräftig unterstützt: Vergangenes Jahr im November ist Rhein mit einem Scheck über 850.000 Euro zur Bescherung ins Filmstudio im Frankfurter Osten hineingeschneit.

Klar, wenn Rhein bei mir mit 850.000 Euro im Säcklein vorbeikäme, wäre das auch mein schönstes Weihnachten überhaupt!

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 2. November 2016

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