Verpasste Elite

Es ist doch zum Schwarzärgern! Jetzt hat es wieder nicht geklappt mit der Elite-Uni! Dabei hat die CDU in den vielen Jahren ihrer Allein- und Koalitionsregierung doch Hessen schon zu allen möglichen Nummero Einsen ausgerufen: Bildungsland Nummer 1, Sicherheitsland Nummer 1, Familienland Nummer 1 und so weiter und so fort.

Aber immer noch keine Elite-Uni! Das kann doch wohl nicht sein.

Das Bundesbildungsministerium hat seinen Segen quer durch die Republik gestreut: Berlin, Bremen, Dresden, Köln, München, Konstanz, Heidelberg, Aachen, Tübingen überall Elite-Unis, nur um Hessen hat Bundesbildungsministerin Anette Schavan schon wieder einen großen Bogen gemacht. Dabei ist sie doch auch in der CDU und dann so eine Brüskierung. Aber die Schavan, die ist in der Hessen-Union ohnehin nicht gelitten. Will die doch die Hauptschule abschaffen, und das ist hier ja so was von tabu.

Drei hessische Unis wollten auch gerne Elite sein: Darmstadt, Gießen und Frankfurt hatten es zwar wieder versucht und wurden schon in der Vorrunde 2011 aussortiert. Vorrunde, geht’s noch schlimmer?

Immerhin, und das ist doch eigentlich auch schön, bekommen die drei Hochschulen insgesamt rund 165 Millionen Euro Fördergelder für mehrere Forschungsprojekte überwiesen. Aber eine Elite-Uni. . . im Bildungsland Nummer 1. . . wär halt schon schöner . . .

Ja, und dann natürlich gleich wieder die Opposition. Bläst die Backen auf, hämt und stänkert, anstatt gemeinsam mit Schwarz-Gelb über die vergebenen Titelchancen zu trauern. „Kühne-Hörmann muss sich ihrer Verantwortung für das schlechte Abschneiden der hessischen Hochschulen stellen“, machen die Grünen auf wichtig. Ja, was soll unsere Ministerin für Wissenschaft und Kunst denn noch alles, bitteschön?

Sie muss sich doch schon der Verantwortung stellen, im Ministerranking des Deutschen Hochschulverbands auf dem letzten Platz zu stehen. Obwohl man dies so im Ministerium nicht stehen lassen will: Die Wahlbeteiligung habe nur bei 0,6 Prozent gelegen.

Jaja die Grünen, die Ministerin könne die Verantwortung für die Qualität von Hochschulen inzwischen nicht mehr auf frühere Regierungen abschieben. Demnächst mache sie noch den Dreißigjährigen Krieg für ihre eigenen Versäumnisse verantwortlich, fabuliert deren hochschulpolitischer Sprecher Daniel May. Der hat gut reden mit seinen gut 30 Jahren.

Und die Linken poltern ebenfalls gleich los. Anstatt sich über Eliteförderung und Exzellenzcluster Gedanken zu machen, solle die Wirtschaftsministerin lieber für bessere Bedingungen an den Hochschulen sorgen. Brot-und-Butter-Geschäft also anstelle von Glanz und Gloria. Aber das weiß Frau Kühne-Hörmann doch selbst. Wir wiederholen ihren unvergesslichen Satz: Ich stehe nicht an der Spitze eines Prosecco-Ressorts.

Und als wären das nicht schon genug Querulanten, meldet sich auch noch der Frankfurter Uni-Präsident Werner Müller-Esterl übers Radio: „Das ist ein Ergebnis, das uns nachdenklich stimmen sollte und über das wir sicher auch mit der Landespolitik noch einmal reden werden.“ Hoho.

Aber immer schön die Hand für den eigenen Campus aufhalten!

Zum Schwarzärgern.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 20. Juni 2012

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