Unkenrufe

Neues aus dem Bildungsland Nummer 1, zu dem die CDU Hessen seit Jahren ausruft: Das neue QS World University Ranking ist frisch auf dem Markt, eine viel beachtete, aber auch teilweise umstrittene Rangliste der besten 700 Universitäten der Welt.

Nach jahrelanger Einflüsterung durch die Hessen-Union rechnen wir natürlich mit der Frankfurter Goethe-Uni mindestens in den Top Ten und schauen erwartungsvoll auf die Liste. Doch dem ist leider ganz und gar nicht so. Ganz vorne tummeln sich nur US-amerikanische und englische Universitäten, die erste deutsche Hochschule ist die TU München.

Und Frankfurt? Ähm, räusper, nun nicht wirklich weit vorne: Rang 201, die TU Darmstadt folgt auf Nummer 275, die Uni Marburg liegt irgendwo zwischen Rang 401 und 450, Gießen um die 500. Nicht viel froher stimmt die Tendenz, dass alle vier Hochschulen auch noch auf dem absteigenden Ast sind: Frankfurt zum Vorjahr 19 Plätze runter, Darmstadt 35. Und das trotz LOEWE, HEUREKA und wie die ganzen Hochschulförderprogramme der Landesregierung heißen und gehießen haben.

Also, Reihen schließen, die sogenannten hochschulpolitischen Sprecher der Regierungsfraktionen erklären lassen, die Bewertungskriterien seien unseriös und deshalb sei man doch Bildungsland Nummer 1!

Die FDP zeigt wie es geht und verkündet zur 100-Tage-Bilanz ihrer Neuminister Nicola Beer und Florian Rentsch: Viel erreicht und noch viel vor. Die Liberalen haben ja auch gut reden. Zwar ist Beer als Kultusministerin auch für Bildung zuständig, aber nur bis zur Hochschulreife. Dann übernimmt die Ressortkollegin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann von der CDU, mit den Unis.

Die FDP stellt ihren Ministern naturgemäß ein Spitzenzeugnis für die ersten 100 Tage des Regierens aus („ausgezeichnete Arbeit“) und wischt Kritik vom Tisch: Unqualifizierte Unkenrufe aus der Opposition. Günter Rudolph von der SPD ist beispielsweise ein solcher Unkerich und bezeichnet das bisherige Wirken der beiden Jungminister als Neuauflage der Pleiten, Pech und Pannen-Show. Die Grünen wollen nur Alten Wein in jüngeren Schläuchen geschmeckt haben, was jetzt etwas uncharmant gegenüber den in Würde sichtbar gealterten Amtsvorgängern Dorothea Henzler und Dieter Posch ist. Ansonsten, so unken die Grünen, zeigten Beer und Rentsch nur, dass sie die alte gescheiterte Politik von Schwarz-Grün marktschreierischer verkaufen. Gut, das war jetzt aber auch genauso angekündigt worden.

Die Linken quaken in altbekannter Rhetorik (Entsolidarisierung, Umverteilung, Spaltung auch unter den Neuen) viel interessanter ist da eigentlich, wer sich nicht geäußert hat: Dem Regierungspartner CDU waren die ersten 100 Tage der liberalen Kabinettsmitglieder keine Zeile wert. Die Union ließ lieber Taten sprechen: Gleich sieben Christdemokraten verließen eine Landtagsabstimmung über das von der FDP geplante Landesschulamt – ein sehr unfreundlicher Akt gegenüber Ministerin Beer. Und ihr Kollege Rentsch bekam im versammelten Plenum einen Rüffel von Ministerpräsident Volker Bouffier für seine Forderung, die Subventionen für Ökostrom abzuschaffen.

Da bedarf es wirklich keiner gesonderten Mitteilung mehr…

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 12. September 2012

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