Tierschutz-Politik

Das mutet auf den ersten Blick ja kurios an: „Das Kabinett ebnet den Weg für mehr Tierschutz bei Katzen“, meldet Umweltministerin Priska Hinz. Dabei steckt nichts anderes dahinter, als dass künftig freilaufende Katzen kastriert werden müssen, sofern die Kommune dies beschließt. Ob sich dies der entmannte Kater wirklich unter Tierschutz vorstellt?

Doch, doch, versichert die Grünen-Ministerin. Die Katzen würden „vor Verwahrlosung, Hunger und Krankheiten“ geschützt. Die nicht Geborenen, meint Hinz damit, denn „in Orten, wo Katzen verpflichtet kastriert werden, gibt es sehr schnell einen spürbaren Rückgang an streunenden Katzen“. Ist ja klar, wo kein Zeugungsakt, da kein Kätzchen.

Aber nicht nur Katzen drohen Verwahrlosung, Hunger und Krankheiten, sondern offenbar auch Meerschweinchen. Deshalb hat Hinz Ende vergangener Woche den Hessischen Tierschutzpreis an den Verein „Meerschweinchen in Not“ verliehen. Sollten die kleinen Nager etwa auch enteiert werden?

Das wird aus der Meldung nicht eindeutig klar, darin ist lediglich von „Rettung, Aufnahme, Pflege und anschließender Vermittlung“ die Rede. Die „tierschutzpolitischen Sprecher“ (toller Titel, oder?) aller Landtagsfraktionen haben auf jeden Fall herzlichst gratuliert.

So schwärmt beispielsweise Barbara Cárdenas von den Linken, der Verein leiste einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz, indem er Meerschweinchen, aber auch andere Kleintiere wie Kaninchen, Mäuse und Hamster, in seine Aufnahmestelle aufnehme. Bevor sie eine kastrierte Katze frisst, hehe!

Gratulierten wirklich alle Landtagsfraktionen? Nein, nicht die FDP. Die Liberalen im Landtag haben glaube ich gar keinen „tierschutzpolitischen Sprecher“, die sind genug mit ihrem eigenen Artenschutz beschäftigt. Obwohl sie mit Jörg-Uwe Hahn ja kraft Namens eigentlich den geborenen Titelträger in ihren Reihen hätten.

Hahn wäre dann auch der perfekte Mann gewesen, freudig diese jüngst ebenfalls von Hinz erlassene Verfügung zu begrüßen: „Hessen untersagt die Tötung männlicher Eintagsküken.“ Allein in Hessen werden demnach in einer der größten Brütereien Deutschlands jährlich 15 Millionen Nachwuchsgockel getötet. Und das nur, weil sie nicht genug Brustfleisch ansetzen. Die setzen eben mehr an anderen Stellen an. Ich meine natürlich den Hahnenkamm . . .

„Das Geschlecht eines Kükens wird in Hessen künftig nicht sein Todesurteil bedeuten“, stellt die Ministerin jetzt also klar, und das kann ich aus männlicher Sicht wie auch als tierschutzpolitischer Sprecher dieser Zeitung nur ausdrücklich begrüßen!

Ministerin Hinz hat heute übrigens Großeinsatz. Anlässlich des 3. Hessischen Tags der Nachhaltigkeit ist sie von morgens bis abends unterwegs und besucht Einrichtungen, die Gutes in dieser Hinsicht tun. So besucht sie beispielsweise in der IGS Eschersheim die „Lernwerkstatt: Was ist (m)ein T-Shirt wert?“. Dort erarbeiten sich laut Mitteilung Schüler, worin der materielle und ideelle Wert eines T-Shirts liegt. Aha!

Ob es das ist, was die „MIT“, also die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Hessen, meint, wenn sie eine „bessere Vermittlung der Alltagskompetenz in Schulen“ fordert? Vermutlich eher sowas wie Schuhe binden und Uhr ablesen.

Tatsächlich geht es der MIT vor allem darum, dass die Schüler lernen mit Geld umzugehen. Ich möchte Ihnen dazu noch dieses Zitat des Landesvorsitzenden Frank Hartmann präsentieren:

„Das Gespür dafür, wie man das Leben ordnungsgemäß finanziert, fehlt immer mehr. Viele Jugendliche denken bei fehlenden Finanzmitteln zuerst an Kredite, nicht ans Ansparen. Elementare Grundregeln des wirtschaftlichen Verhaltens scheinen unbekannt. Es herrscht ökonomischer Analphabetismus.“

Das kann die MIT auch getrost an ihre eigenen CDU-Landesregierenden adressieren: Immerhin hat es die seit 1999 herrschende Union geschafft, seitdem den Schuldenberg des Landes Hessen von 20 auf 40 Milliarden Euro zu verdoppeln!

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 17. September 2014

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