Schlechtes Betragen

„Bücher in die Ecke legen und den morgendlichen Wecker ausgeschaltet lassen!“ Mit diesen Worten hat Kultusminister Alexander Lorz am Freitag Hessens Schüler in die Ferien entlassen. Natürlich gab’s auch Zeugnisse am Freitag. Für die rund 810.000 hessischen Schüler – und für die schwarz-grüne Ministerriege. Die hat die SPD ausgestellt. Selbst die Opposition komme nicht umhin, der schwarz-grünen Landesregierung „ein herausragendes Zeugnis“ auszustellen, so deren Parlamentarischer Geschäftsführer Günter Rudolph, merkt aber lieber an: „Vorsicht, Ironie.“ „Eine Meisterleistung toppt die andere. Und über die kleinen Pannen – 235 Millionen drohender Schadensersatz für die rechtswidrige Biblis-Stilllegung, gescheiterter Bildungsgipfel, kommunalfeindlicher Finanzausgleich – wollen wir uns heute ganz im Sinne der schwarz-grünen Schlussstrich-Mentalität in Schweigen hüllen“, so Rudolph generös.

Wenn sich „Klassensprecher“ Volker Bouffier „in drei kurzen Strichen“ zu Wort melde, vergehe eine Doppelstunde wie im Fluge, urteilt die SPD mit Verweis auf die gefürchteten langatmigen Reden des Ministerpräsidenten. „Primus“ Tarek Al-Wazir sei davon überzeugt, dass er stets fehlerfrei arbeite. Dieses Selbstbewusstsein und seine Wendigkeit helfen ihm laut Oberlehrer Rudolph über viele schwierige Situationen hinweg.

„Ordner“ Peter Beuth halte als Innenminister Klassensprecher Bouffier gern den Rücken frei, auch wenn das die Klassenkasse schon mal einen größeren Betrag kosten kann, meint Rudolph mit Blick auf den jüngsten 50 000-Euro-Vergleich in der „Polizeichef-Affäre“. „Sportskanone“ Thomas Schäfer habe sich in diesem Jahr ganz auf den Sport konzentriert und sich dabei für einen Judo-Kurs entschieden. Bei den Hessen-Meisterschaften im Kampfsport für Anfänger (KFA) habe er als Finanzminister sogar Hunderte Bürgermeister und Landräte aufs Kreuz gelegt.

(Justizministerin) Eva Kühne-Hörmann träume gerne vor sich hin und sorge für die kreative Note im Klassenverband. Im Kunstunterricht gelängen ihr schöne Exponate, zumeist aus schwarzem Filz, so das Urteil der SPD. Kultusminister Lorz brilliere in Heimatkunde und könne alle hessischen Gipfel wunderbar beschreiben. Allerdings sei er gescheitert beim Aufstieg zum Bildungsgipfel.

Die grüne „Gärtnerin“ Priska Hinz bemühe sich tapfer und unermüdlich um den Schulgarten, in dem aufgrund von Altlasten so gar nichts gedeihen wolle, merkt die SPD weiter an. Und seit Boris Rhein den Leistungskurs (Inneres) gewechselt und sich Kunst und Musik verschrieben hat, „ist er viel ausgeglichener als früher“, glaubt Rudolph. Stefan Grüttner sei ein Experte in Sozialkunde. Sein Referat „Die schönsten Zeiten der Familienpolitik – ein Rückblick auf die 50er Jahre“ sei ein Höhepunkt im Schuljahr gewesen.

Haben Sie mitgezählt? Es fehlt einer: Staatskanzleiminister Axel Wintermeyer! Waren dessen Leistungen etwa aufgrund zu vieler unentschuldigter Fehltage nicht zu beurteilen?

Empörte Reaktion von CDU-Generalsekretär Manfred Pentz: „Dass ausgerechnet die SPD Zeugnisse ausstellt, verwundert uns sehr.“ Die Hessen wären ja schon froh, wenn die Genossen endlich mal im Unterricht aufpassen und die Hausaufgaben machen würden. „Das Betragen von Thorsten (Schäfer-Gümbel) und Günter (Rudolph) ist oft mangelhaft. Anstatt über andere herzuziehen, sollte die SPD lieber darauf achten, dass sie nicht von der Schule fliegt.“

Gut, dass erst einmal Sommerpause im Landtag ist!

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 29. Juli 2015

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