Puttrich trifft Papadopoulou

Sie haben es ja sicher mitbekommen, in unserem EU-Lieblingsmitgliedsland Griechenland hat jetzt dieser nassforsche Bursche gewonnen, dessen Wahlprogramm einzig darin besteht, die Schulden nicht zurückzahlen zu wollen.

So kann man es auch machen, erst mit getürkten Statistiken in den Euro hineinmogeln, dann noch mehr Kohle pumpen und später sagen, Rückzahlung geht nicht, weil es uns ja dann zu schlecht geht. Aber wissen Sie was? Da hat dieser Tsipras ganz sicher die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Unser strenger Kassenwart Schäuble wird das Griechenknäblein sicher schon bald ordentlich zurückstutzen.

Aber wahrscheinlich sind unsere ganzen Befürchtungen ja ohnehin überflüssig und übertrieben. Denn Europaministerin Lucia Puttrich und damit Hessens hauptamtliche Griechenland-Versteherin hat die Botschafterin der Hellenen mit dem schönen landestypischen Namen Alexandra Papadopoulou in Brüssel empfangen. Und, jetzt halten Sie sich fest, was sagt uns die gute Frau: Ihr Land wolle sich an seine Verpflichtungen halten. Na, bitte schön, prima, dann ist doch alles gut. Der Grieche als solcher reißt sich am Riemen und stottert anständig weiterhin seine Raten ab.

Hat sie doch wieder fein hinbekommen, die Ministerin Puttrich, oder? Wie die Stilllegung des Atomkraftwerks Biblis! Nee, halt, das war irgendwie doch nicht so gut, unter Umständen muss Hessen ja jetzt 230 Millionen Euro Schadensersatz an den Energieriesen RWE zahlen…

Ein ähnlicher Haken könnte auch im Fall Griechenland auftauchen, denn Frau Papadopoulou hat wohl auch noch zu Frau Puttrich gesagt, dass eine neue griechische Regierung, die mit hohen Erwartungen in der Bevölkerung antritt, zur Schuldentilgung aber auch die erforderliche Zeit und den nötigen Freiraum benötige.

Oh, oh, Zeit, Freiraum, da schwant mir doch schon wieder Böses! Das werden die Alexis Sorbase da unten wieder weidlich auszunutzen wissen!

Freiräume ganz anderer Art verschafft SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel seinen Abgeordneten. Raus aus der bräsigen Gemütlichkeit des Landtags und ab ins echte Arbeitsleben. Praxistag nennen das die Sozis nun schon zum vierten Mal, und alle Genossen aus der Fraktion sollen nun überall im Hessenland verteilt in Pflegeeinrichtungen „mitarbeiten“. Altenheim, Seniorenzentrum, Pro Seniore und wie die Ziele alle heißen, da sind die Sozis eigentlich doch genau richtig – ganz nah an ihrer bekanntlich ja ziemlich überalterten Mitglieder- und Wählerklientel.

Den Unterschied zwischen Regierung und Opposition machen auch die unterschiedlichen Ausflugsziele deutlich. Während also die Genossen sich ehrenhaft, aber unspektakulär durch die Pflegestätten mühen, besuchen sämtliche Mitglieder der Landesregierung in diesen Tagen die allerfeinsten Adressen aus Forschung und Technik in Hessen. „Woche der Wissenschaft“ heißt das dann. Nicht Praxistag.

Ministerpräsident Volker Bouffier beispielsweise besucht das Hochsicherheitslabor des Virologischen Instituts der Uni Marburg. Justizministerin Eva Kühne-Hörmann fährt zum Institut für Rechtsmedizin an der Uni Gießen und wundert sich wahrscheinlich, wo Professor Dr. Karl-Friedrich Börne ist. Kleiner Tipp: In Münster, gehört aber leider nicht zu Hessen.

Unser grüner Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir steckt seine Nase lieber in eine Gärtrommel zur Erzeugung von Biogas an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Finanzminister Thomas Schäfer hingegen war am Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt – und davon „beeindruckt“. Vor allem vom „Cuttlefish“. Also jetzt nicht etwa von einem Tintenfisch-Gericht in der Werkskantine, nein, dahinter steckt laut Mitteilung ein Computerprogramm zur Optimierung des dreidimensionalen Farbdrucks. Nicht so lecker, aber sicher auch toll, oder?

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 28. Januar 2015

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