Oh, Tannenbaum!

Na, ist Ihnen schon weihnachtlich zumute? Ist ja nicht so, dass die Landespolitik sich nicht auch mit diesem Thema beschäftigt. Im Landtag zu Wiesbaden steht bereits seit Montag vergangener Woche ein Weihnachtsbaum. Gespendet vom Hessischen Waldbesitzerverband. Aus „nachhaltiger und naturnaher Waldwirtschaft“, wie uns die Landtagsverwaltung ausdrücklich mitteilt. Das war das Bäumchen des Vorjahres, so glaube ich, auch schon, aber jetzt – mit den Grünen in der Regierung – ist das natürlich umso wichtiger. Eine fünf Meter hohe Nordmanntanne steht nun also in der Eingangshalle des Plenargebäudes. Dies sei der Vollständigkeit halber dazugesagt.

Es geht natürlich immer noch besser, höher, grüner. Die Staatskanzlei bekommt heute Vormittag auch einen Weihnachtsbaum. Und zwar eine neun Meter hohe Nordmanntanne. Für die Übergabe an Ministerpräsident Volker Bouffier und seinen Majordomus Axel Wintermeyer kommt der Präsident des Waldbesitzerverbandes höchstselbst: Michael Freiherr von der Tann. Im Gefolge hat der Freiherr die, Achtung!, Hessische Weihnachtsbaumkönigin namens Eva Wick. Also, was es alles gibt!

Wirklich, der Herr heißt von der Tann , schöner geht’s doch gar nicht, oder? Gut, vielleicht von der Nordmanntann . . .

Wollen Sie, liebe Leser, eigentlich mal wissen, warum die Nordmanntanne Nordmanntanne heißt? Da ich hier ja auch einen gewissen Bildungsauftrag verfolge, möchte ich es Ihnen an dieser Stelle gerne sagen. Dankenswerterweise hat mir die Staatskanzlei die Recherche schon abgenommen: „Sie ist nach dem finnischen Biologen Alexander von Nordmann (1803–1866) benannt und kann Wuchshöhen von 40 bis 60 Meter sowie einen Stammdurchmesser bis zwei Meter erreichen.“

So hoch dürfen die Nadelbäume im Fraport-Forst erst gar nicht werden. Sie könnten dann nämlich die Flugzeuge stören. „Gemäß internationaler Richtlinien dürfen aus Sicherheitsgründen in genau definierten Abständen zu Start- und Landebahnen eines Flughafens keine Hindernisse in die Luft ragen“, klärt uns der Flughafenbetreiber auf. Deswegen heißt es: bei zehn Metern ab mit den Dingern und – verschenkt. Ja, Fraport lässt sich nicht lumpen, die spenden nicht nur zwei Bäume wie die Waldbesitzer, sondern gleich 200 davon an Vereine aus dem Flughafen-Umland. Zur Abwechslung mal Blaufichten, nicht Nordmanntannen.

Praktischerweise sind die Nadeln dieser Fraport-Koniferen mit speziellen Klammern gegen Wirbelschleppen gesichert und die Zweige mit schalldichten Glaskugeln geschmückt. Das ist von großem Vorteil, wenn man mal Durchzug in der guten Stube schaffen will, um den Duft des Gänsebraten auszulüften.

Und sollte jetzt tatsächlich jemand übrig geblieben sein, der noch keinen Weihnachtsbaum geschenkt oder gespendet bekommen hat, dem sei das wunderbare verbraucherfenster.hessen.de des Umweltministeriums empfohlen. Tolles Thema am Donnerstag: „Alle Jahre wieder – Tipps zum Tannenbaumkauf.“

In vorweihnachtlicher Geschenklaune ist bereits Ministerpräsident Volker Bouffier. Weil der Hessische Verdienstorden seit 25 Jahren verliehen wird, überreicht er die Plakette an so ziemlich jeden, der nicht bei drei auf den (Weihnachts-)Bäumen ist. Gleich 25 Würdenträger sollen heute Abend im Biebricher Schloss geehrt werden: Verdienstvolle CDU-Recken wie Sozialminister Stefan Grüttner beispielsweise oder der abgewählte Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller. Zahlreiche traditionell unionsnahe Wirtschaftsführer und sogar Tigerpalast-Betreiber Johnny Klinke. Vermutlich weil der Ex-Sponti im Frankfurter OB-Wahlkampf damals so schöne Annoncen mit einem Wahlaufruf für CDU-Kandidat Boris Rhein geschaltet hat.

Naja, ist dann bekanntlich anders gekommen, aber einen Orden hat er sich dafür trotzdem verdient.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 3. Dezember 2014

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