Nachhilfe aus Estland

Ob wir auch eine Torte von der FDP bekommen? Für die erste Kolumne auf der Hessen-Seite? Naja, wohl eher nicht, zu solchen Präsenten greifen die Liberalen offenbar nur anlässlich sehr hoher Jubiläen. Korrekterweise muss der Hinweis folgen: Annehmen dürften wir den Kuchen eh nicht Sie wissen schon, nach der Causa Christian Wulff ist das mit Vergünstigungen so eine Sache, da müssen wir Moralapostel von der Presse auch aufpassen.

Tarek Al-Wazir jedenfalls, der Grünen-Chef, hat von der FDP jüngst eine Torte bekommen. Das fanden wir zunächst eigentlich sehr nett, da die beiden Parteien sich sonst im Landtag stets verteufeln. Aber die Torte war ein süßes Gift. Verbunden war sie mit dem hämischen Glückwunsch zur 400. Landtagssitzung auf der Oppositionsbank.

Das war dann doch weniger nett. Aber Al-Wazir ist bekannterweise einer, der sich zu wehren weiß. Bedankte sich artig und wünschte FDP-Fraktionschef Florian Rentsch noch viel Vergnügen bei für ihn verbleibenden 45 Plenarsitzungen als Mitglied einer Regierungsfraktion. Bevor sich die FDP gemäß grüner Mutmaßung nach der Landtagswahl in der parlamentarischen oder gar außerparlamentarischen Opposition regenerieren kann.

So zweischneidig kann das mit Präsenten sein. Ich fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen, heißt es schon in der Troja-Sage – oder die FDP, wenn sie Torten bringt. Deren Parlamentarischer Geschäftsführer Frank Blechschmidt wirft den Grünen übrigens vor, Haushaltspolitik wie in Griechenland zu machen. Das ist wohl böse gemeint. Dabei sind sich der Staat Griechenland und die FDP doch so ähnlich: zwei Institutionen, die dem Kollaps entgegentaumeln.

Ach ja, Griechenland-Lästerer Blechschmidt hat seinen Posten vom Fraktionskollegen Leif Blum geerbt. Der musste das Amt niederlegen, weil gegen ihn wegen Steuerhinterziehung und Beihilfe zu selbiger ermittelt wird. War da nicht auch was, mit den Griechen und der Steuerehrlichkeit?

Surfen wir doch noch von Griechenland nach Estland, dort macht Linken-Fraktionschef Willi van Ooyen nämlich das Surfer-Paradies aus. Nicht für Wassersportler in der kalten Ostsee, sondern für Internet-Surfer. Im Balten-Staat hätten Einwohner einen gesetzlich garantierten Anspruch auf kostenlosen Zugang ins Internet. Und weil das hier nicht so ist, sei Hessen ein Entwicklungsland. Oha, hat der baltische Tiger schon den hessischen Löwen abgehängt? Obacht, abgesehen davon, dass aus diesen Worten der notorische Hader aller Linken mit dem Heimatland spricht, gilt es wohl auch zu bedenken, dass dies für 1,3 Millionen Esten etwas leichter zu erfüllen ist als für sechs Millionen Hessen.

Wollen wir jetzt noch wissen, was sich hinter der Mitteilung Staatssekretär Weinmeister pflanzt ,Klunker-Heidi verbirgt? Nein, lassen wir ihn mal allein mit Klunker-Heidi und schauen, ob wir ein Stück Kuchen finden.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 18. April 2012

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