Milch, Schnaps und Eier

Na, das muss ja am Sonntag ein Spektakel gewesen sein, dieser „Airlebnis“-Tag am Frankfurter Flughafen. Das „Flair der schillernden Wüstenstadt Las Vegas“, sollten die Besucher „hautnah“ erleben, versprach Flughafenbetreiber Fraport. Ich war selbst leider verhindert, deshalb muss ich Ihnen die Schilderung schuldig bleiben wie sich „die Wüstenmetropole Las Vegas“ so ganz hautnah in Frankfurt anfühlt. Wären es die „Weltklasse-Doubles“ von Frank Sinatra, Elvis Presley, Tina Turner und Marilyn Monroe gewesen, die einen begrapscht hätten? Das Bad in Geldscheinen, nach dem Wahnsinnsgewinn an „eigens aufgestellten Spieltischen“, an denen bei Black-Jack, Roulette und Würfelspielen „echtes Casino-Feeling“ aufkommen sollte?

Na wie auch immer, das Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau ist offenbar als (Glücks-)Spielverderber aufgetreten. Mit einer Mahnwache im Terminal 1 wurde die Show „empfindlich getrübt“, melden die BI-Vertreter. Deren Losung: „Fraport, Du hast verspielt, und Deine Unterstützer in den Ausbauparteien und bei den Grünen haben mit Dir verspielt!“, verkündeten sie in thematischer Anlehnung an die Fraport’sche Las-Vegas-Show. Oder noch drastischer: „Fraport: Rien ne va plus“.

Nichts geht mehr – das muss man ja beinahe beim Thema Milch auch glauben, liest man die Meldungen von SPD und Linken. Über eine „Milchmarkt-Krise“ stöhnt die Linken-Abgeordnete Marjana Schott, der SPD-Agrarpolitiker Heinz Lotz beschwört gar „die schlimmste Milchkrise in der Geschichte der Bundesrepublik“.

Hilfe! Nachdem die Milchquote in der EU abgeschafft wurde und nun Preisbildung nach Angebot und Nachfrage gilt, „stehen die hessischen Milchviehhalter mit dem Rücken zur Wand“, hat Lotz offenbar in den Kuhställen beobachtet. Der SPD-Mann wie auch die Linke-Frau setzen deshalb auf Milch aus der näheren Umgebung. „Wenn wir weiterhin regional Milch erzeugen wollen, müssen die Agrarminister auch die Rahmenbedingungen für den regionalen Handel und die Vermarktung verbessern“, fordert Schott. Damit die Milchproduktion nicht in einen „Schweinezyklus“ gerate, bedürfe es einer Verständigung auf Augenhöhe über die zu produzierenden Mengen zwischen Handel, Molkereien und Erzeugern.

Aha, Schweinezyklus? Muss ich mal kurz erklären. Stammt aus der Volkswirtschaft und meint regelmäßig wiederkehrende starke Preisschwankungen, beschrieben von einem Wirtschaftswissenschaftler Anfang des 20. Jahrhunderts, der dazu den Markt für Schweinefleisch beobachtet hat.

Ganz genau beobachtet hat auch das Hessische Landeslabor 8000 Hühnereier aus zwei Legehennenbetrieben. Scheußliches Wort. Und zwar, ob die Eier mit Salmonellen infiziert sind. „Glücklicherweise“ kein einziges, meldete der Landesbetrieb am Donnerstag. In der Tat „glücklicherweise“, denn am Freitag war „Welt-Ei-Tag“ wie uns die Oologie-politische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Martina Feldmayer kundtat. Das hätte den Genuss ja doch sehr getrübt . . .

Ein Genuss war sicher jüngst die „Fünfte Nassauer Edelbrandprämierung“ in Aarbergen. Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser überreichte dort Urkunden an die wackeren Brenner. Von 98 vorgestellten Bränden wurden sage und schreibe 78 (!) prämiert.

Also, entweder die brennen da in Nassau wirklich einen Wahnsinnsschnaps oder die Auszeichnungskriterien sind etwas lasch!

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 14. Oktober 2015

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