Klima-Retterin mit Koffer

Also, Sportstadt Nummer 1 in Hessen ist ja wohl im Moment – Darmstadt. Das muss man auch als Frankfurter Zeitung mal sagen. Nennen wir zuerst den großartigen Schwimmer Marco Koch aus der selbsternannten Wissenschaftsstadt, bevor wir zu einer anderen Disziplin kommen, die die Gemüter weit mehr erhitzt. Zwei Mal Gold bei der Kurzbahn-WM in Netanja, die Konkurrenz im Schwimmbecken deklassiert. Äh, bitte, wo ist eigentlich die in solchen Fällen übliche Gratulationspressemitteilung von Ministerpräsident Volker Bouffier und seinem Sportminister Peter Beuth geblieben? Abgesoffen? Haha, kleiner Kalauer muss sein. Weltmeister ist Koch ja auch schon. Unser Mann für Rio! Sie wissen schon, Olympia 2016.

Ja, und jetzt zu einer anderen Sportart, in der Darmstadt gerade einen Sensationserfolg hingelegt hat. Unglaublich, unerwartet, unfassbar für Frankfurt: Einsnull der „Lilien“ gegen die Eintracht…auch noch im Waldstadion! Das Spiel der Spiele nach 33 Jahren, fast noch wichtiger als das Match gegen die Bayern. Und dann so was! Dass die Eintracht eine Woche zuvor auch noch das Derby gegen den Rheinhessen-Nachbarn Mainz 05 verloren hat, ist ein weiterer Stachel im Fleisch von Attila, dem Eintracht-Adler.

Wie hatte Eintracht-Trainer Armin Veh vor dem Spiel noch mit Blick auf die in der Bundesliga-Tabelle einen Rang vor der Eintracht platzierten Lilien getönt? Das wollen wir umdrehen!

Jetzt redet Veh von „einer der schwärzesten Stunden“ seiner Karriere. Naja, wenn Veh demnächst also wieder viel Zeit hat, weil er

a) selbst zurücktritt, da er nicht so oft den Siegern die Hand schütteln möchte, oder

b) den Gesetzen der Liga folgend rausgeworfen wird,

dann wüsste ich eine sinnvolle Tätigkeit für den Übungsleiter: Er könnte als „Sport-Coach“ bei Innenminister Beuth anheuern.

Der für den Sport zuständige CDU-Mann in der Landesregierung sucht doch wie berichtet zusammen mit der Sportjugend solcherlei Menschen, die Flüchtlinge in Sportvereine vermitteln. Dabei kommt Veh die Stellenbeschreibung der Sportjugend zugute: „Es müssen nicht zwingend Trainer sein.“ Sportaffin reicht. Dann täte er endlich mal was Sinnvolles, der Veh, anstatt weiter Fußballclubs wie Wolfsburg, den HSV, den VfB und jetzt die Eintracht runterzuwirtschaften.

Etwas ganz und gar Sinnvolles tut Priska Hinz: Hessens Umweltministerin reist zur Weltklimakonferenz nach Paris. Und ich kann Ihnen auch sagen, was sie im Gepäck hat: „Ich fahre mit einem Koffer voll Hoffnung und Erwartung nach Paris“, so die Ministerin. Nur ein Koffer voll? Angesichts der dramatischen Situation absaufender Südsee-Insulaner ist das hoffentlich mindestens mal ein Schrankkoffer!

Hinz reist immerhin mit dem Titel „Klimaschutzministerin“ nach Paris und hat auch eine Blaupause im Gepäck: Den „Klimaschutzplan Hessen 2025“, wonach die Treibhausgasemissionen hier bis dahin um 40 Prozent gesenkt werden sollen. „Diese ambitionierten und konkreten Ziele für Hessen waren ein wichtiges Signal im Vorfeld der Weltklimaschutzkonferenz in Paris“, verkündet Hinz.

Dieses wichtige Signal haben die 150 angereisten Staats- und Regierungschefs hoffentlich auch alle verstanden.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 9. Dezember 2015

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