Jetzt haben wir den Salat

So, die Wahl ist geschafft, aber irgendwie ist doch nichts geschafft. Zuallererst jedoch vielen Dank dafür, dass Sie so zahlreich meinem Wahlaufruf vom vergangenen Mittwoch gefolgt sind. Ein Anstieg der Wahlbeteiligung auf 72,3 Prozent gegenüber 61 Prozent im Jahr 2009 ist doch sehr anständig. Aber jetzt muss ich Sie doch mal fragen, was Sie denn da um Himmels Willen zusammengewählt haben? Da geht doch wieder nichts! Zumindest nach dem, was die Parteien – die ja angesichts der 2008er Wahl von der „Ausschließeritis“ ablassen wollten – dann aber in den letzten Tagen vor dem Wahlsonntag doch fast alles für unmöglich erklärt haben.

Wollten Sie denn wirklich wieder die „Hessischen Verhältnisse“ haben, die für die Unregierbarkeit des Landes stehen? Wohl nicht, aber jetzt haben wir den Salat. Salat, Sie wissen schon, das Sprichwort. Ich will damit gar nicht auf den ominösen Veggie Day der Grünen anspielen, an dem uns besagter Salat statt Salami aufgetischt werden soll. Die hessischen Grünen haben dem Unterfangen der Bundespartei ohnehin stets mit einer gewissen Skepsis entgegengeblickt, nach dem Sonntag haben sie davon endgültig die Schnauze voll.

Die Grünen-Spitzenkandidatin Angela Dorn auf jeden Fall verkündete am Montagmorgen, ihr Landesvorsitzender Tarek Al-Wazir sei gerade in Berlin im Parteirat und werde „deutliche Worte finden, wie wir hier in Hessen die Kampagne erlebt haben“.

Also, wenn mich einer fragt, wie ich die Kampagne erlebt habe: Nun, von der schrillen Claudia Roth geduzt zu werden, geht vielleicht gerade noch, aber von dem blasierten Unsympathen Jürgen Trittin via Wahlplakat mit „Und Du“ traktiert zu werden? Nein, das verbitte ich mir ausdrücklich, Herr Trittin!

„Veggie Day, Steuererhöhung und Pädophilie-Debatte haben sich über unsere Themen gelegt“, meint Dorn voller Zorn. Die Menschen hätten das Grünen-Programm mehr als Bedrohung, denn als Chance wahrgenommen.

Also wurde es auch in Hessen nichts mit einem guten Grünen-Ergebnis, weswegen auch der wackere Wahlkämpfer Thorsten Schäfer-Gümbel erst einmal nicht Ministerpräsident für die SPD wird. Es sei denn, er macht außer mit dem Wunschpartner Grüne doch auch mit den Linken…

Aber haben Sie das gehört, die tun im Moment alle so, als wäre ihnen das gar nicht so wichtig. Spitzenkandidatin Janine Wissler beispielsweise meint ganz keck: „Für die Linke ist Regieren kein Selbstzweck. Uns geht es nicht um die Posten, sondern um die Inhalte.“

Wie bitte? Sagt die Dame, die sich in den vergangenen Spitzenrunden jedes Mal schon fast flehentlich an Schäfer-Gümbel und Al-Wazir gewandt hatte, wenn diese mal wieder von deren Andienung nichts wissen wollten: „Aber wir waren doch heute ständig einer Meinung!“ Tolerierung, Koalition, wir machen alles mit!

Ganz ähnlich spricht plötzlich der Ober-Grüne Al-Wazir: „Unsere Wähler können sicher sein, dass wir nicht um des Regierens Willen regieren. Bei uns gibt es kein Regieren um jeden Preis. Wenn es nicht geht, kann man auch in die Opposition gehen.“

Wie bitte? Sagt der Mann, der die seit 14 Jahren währende Oppositionsarbeit im Landtag bitter leid ist und sich schon per Zeitungsgastbeitrag selbst zum Wirtschaftsminister in Hessen ausgerufen hat? Schließlich bedeutet sein Name auf Arabisch ja auch – Minister!

Aber vielleicht heißt es für ihn ja auch bald Berlin statt Wiesbaden. Trittin, Roth, Künast, Özdemir – alle Grünen-Anführer treten ab, da muss mit Al-Wazir vielleicht mal ein Offenbacher ran.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 25. September 2013

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