Immer diese Frauen

Das ist nun wirklich eine Gewissensfrage: Darf ich als Mann an dieser Stelle eigentlich über die dieser Tage heiß diskutierte Frauenquote schreiben?

Wissen Sie was? Das ist mir völlig egal. Wenn sogar die CDU jetzt satte 30 Prozent Frauenanteil in den Aufsichtsräten großer Unternehmen durchsetzen will – und das schon im Jahr 2020! -, dann ist das sowieso der Anfang des Matriarchats (man bedenke zudem den Spitznamen der CDU-Kanzlerin Angela Merkel: Mutti), und deswegen kann man als Mann gar nicht früh genug mit dem Widerstand beginnen.

 Was einem mit der Hinwendung zu mehr Frauen blühen kann, musste am Wochenende FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn erleben. Mit nur einer Dame in der 20-köpfigen Landtagsfraktion und notgedrungen einem männlichen Abgeordneten als frauenpolitischem Sprecher mussten sich die Liberalen in den zurückliegenden Jahren ohnehin schon viel Spott gefallen lassen. Und dann war da ja noch Brigitte Susanne Pöpel. Die Vorsitzende der Liberalen Frauen Hessen verließ im Januar vorigen Jahres mit viel Krawall die FDP-Fraktion im Wiesbadener Stadtparlament und dann auch noch komplett die Partei. „In dieser von jungen, männlichen Karrieristen dominierten Fraktion ist ein frauen- und familienfeindlicher Ton die Regel, nicht die Ausnahme“, lautete ihr medienwirksam erhobener Vorwurf.

Mannomann, beziehungsweise Frauofrau, das durfte so natürlich nicht weitergehen, wusste FDP-Chef Hahn und wollte drei Frauen auf den ersten zehn Plätzen für die kommende Landtagswahlliste unterbringen. Das Ergebnis haben wir gesehen: Nur zwei haben es tatsächlich geschafft und Hahn wurde mit einem blamablen Ergebnis zum Landesvorsitzenden wiedergewählt. Pöpels Nachfolgerin als oberste liberale Frau im Land, Dagmar Döring, meckerte natürlich auch noch rum: Ein enttäuschendes Ergebnis für liberale Frauen, eine herbe Niederlage.

Gehässig legte die SPD nach. Die FDP habe kein Frauen-, sondern ein massives Männerproblem, sie sei eben eine Partei der wilden Kerle mit einem verstaubten, vollkommen überholten und unmodernen Gesellschaftsverständnis, hämte Generalsekretär Michael Roth.

Wie man’s macht, macht man’s verkehrt: Der gute Hahn gilt nun den einen als Chauvi, seinen um vordere Listenplätze kämpfenden männlichen Parteifreunden hingegen als Softie.

Ganz und gar nicht unmodern ist dagegen die Alternative für Deutschland. Von wegen gestrige Positionen und so, nur weil die neue Partei die alte D-Mark zurück haben will. Ebenfalls am Wochenende hat die AfD es auf ihrem Parteitag vorgemacht: Das Führungsgremium mit drei Vorstandssprechern besteht aus zwei Männern und einer Frau. Gut 30 Prozent Führungsanteil für die holde Weiblichkeit, dazu braucht die CDU noch bis 2020!

Von so viel Gender Mainstreaming, wie es neudeutsch für die Gleichstellung der Geschlechter heißt, ganz eingelullt, lese ich voller Empörung die Meldung aus dem Umweltministerium: „Mark Weinmeister packt bei ,Zuckerpuppe‘ mit an.“ So ein Chauvi, das ist ja widerlich, und dann hat das Püppchen wahrscheinlich auch noch ein gut ausgefülltes Dirndl an, oder was?

Aber halt, es ist ja gar nicht das, wonach es aussieht! Der feinfühlige Staatssekretär pflanzt am Donnerstag in Kassel eine Petunie mit diesem zuckersüßen Namen, erfahre ich beim Weiterlesen. Mit lila Blüten und weißem Rand. Schön!

Ist solcherlei Anpacken dann eigentlich Blümchensex?

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 17. April 2013

 

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