Hilfe, ein Deutscher!

So, die Europawahl ist geschafft und Nancy Faeser, Generalsekretärin der Hessen-SPD, jubelte am Montag, „die SPD ist klarer Gewinner“, das Wahlergebnis sei „sehr erfreulich“. Ja gut, prima so weit, wenn da nicht die quengeligen Jusos wären: „Die Jubel-Inszenierung der SPD-Spitze zum Europa-Wahlergebnis ist völlig überzogen.“

Warum das denn bei Zugewinnen der Sozis in Bund und Hessen von jeweils etwa sechs Prozentpunkten? Weil die SPD zum vierten Mal in Folge die 30-Prozent-Marke bei einer deutschlandweiten Wahl mehr als deutlich verfehlt habe, analysiert der Bezirksvorsitzende der Südhessen-Jusos, Christian Heimpel. Vom Anspruch einer Volkspartei sei sie meilenweit entfernt. Im Bund hat die SPD diese Marke sicher verfehlt, aber mit Blick auf die tapferen Genossen in Hessen ist diese Schmähung doch eher unangebracht haben die doch 30,3 Prozent erreicht.

Aber die Nachwuchs-Sozis haben ja noch mehr zu stänkern. „Die Anzeigenkampagne, die damit wirbt, SPD zu wählen, damit ein Deutscher Kommissionspräsident wird, war beschämend und hat dem Fass den Boden ausgeschlagen“, erregt sich Heimpels Vorstandskollege Kaweh Mansoori.

Nun, warum soll bitteschön die Sozialdemokratische Partei Deutschlands nicht damit werben, dass mit ihrer Wahl ein Deutscher EU-Kommissionspräsident wird? Was ist daran beschämend? Welcher Selbsthass, welche Heimatverachtung treibt denn da die Jusos?

Bevor ich jetzt noch der Deutschtümelei gescholten werde, hier ein Negativbeispiel des anderen Extrems. Zufälligerweise auch von einer Jugendorganisation, nämlich den Jungen Nationaldemokraten, also dem NPD-Nachwuchs. Die hatten vorige Woche in der Wetterau Kondome an Politiker, Pfarrer, Vereinsvorsitzende und Journalisten geschickt und sie aufgefordert, keine Kinder zu bekommen. „Für Ausländer und ausgewählte Deutsche“, lautet die Aufschrift auf der Vorderseite der schwarzen Verpackung, „sie vermehren sich blitzartig, nerven, kosten Geld und haben eigentlich keinen Nutzen – die Politiker der korrupten Altparteien“, steht auf der Rückseite.

Zu den „Altparteien“ zählen sich offensichtlich auch die Grünen (kann man wohl mit mehr als 30 Jahren auf dem Buckel auch durchaus tun), denn deren Politischer Geschäftsführer Jochen Ruoff bezeichnete die Präservativ-Post als „völlig inakzeptabel“. Da hat er sicher recht. Die Kondome hätte man wohl eher den Eltern dieser Jungen Nationaldemokraten gewünscht oder deren Müttern zumindest die „Pille danach“, deren Verkauf die Links-Partei in Hessen rezeptfrei stellen will. Denn auch ein „gerissenes Kondom“, kann zur Empfängnis führen, weiß deren „gesundheitspolitische Sprecherin“ Marjana Schott. Wehe, wenn dann ein Junger Nationaldemokrat dabei herauskommt!

Jetzt kommen wir aber noch einmal zurück zur Sozialdemokratin Nancy Faeser. Nachdem der Rheingauer CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch „Schnittmengen“ zwischen seiner Union und der AfD ausgemacht hatte, ermahnte sie die CDU, sie müsse sich von der „europafeindlichen und rechtspopulistischen AfD“ distanzieren.

Prompt tauchte gestern der frühere Fraktionsvorsitzende der hessischen CDU, Christean Wagner, aus dem Unruhestand auf und tat genau das Gegenteil. Ihm sei die AfD als politischer Konkurrent zwar nicht willkommen, „aber ich halte es für politisch töricht zu sagen, mit denen werden wir nie zusammengehen“, so der Mitbegründer des konservativen „Berliner Kreises“ in der CDU.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 28. Mai 2014

 

 

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