Energiesparer

 

Heiße Tipps (nicht nur) für kalte Winter, gab Umweltministerin Lucia Puttrich auf dem Hessentag zum Besten. Die sind ganz sicher nicht nur für kalte Winter nützlich, sondern auch für kalte Sommer. So wie momentan, 15 Grad waren es gestern Nachmittag in Wiesbaden, 16 Grad in Frankfurt. Juni?

Bei den aktuellen Temperaturen können wir ruhig schon jetzt Puttrichs Wintertipps zum Energiesparen beherzigen. Sind jetzt nicht neu, aber deswegen auch nicht schlecht: Heizkostenrechnung kontrollieren, höchstens 20 Grad in der Bude, programmierbare Thermostate, Nischen dämmen. Heizpumpen austauschen etc.

Puttrichs Chef, der Ministerpräsident Volker Bouffier, unterstützt seine Ministerin nach Kräften. Ebenfalls auf dem Hessentag lobte er das Handwerk in den höchsten Tönen, das Herz der hessischen Wirtschaft hört er gar in dieser Branche schlagen. Und wo kann der Handwerker am besten verdienen? Bei der auch von der Landesregierung nach Kräften unterstützten energetischen Gebäudesanierung.

Das sind zum Beispiel neue Fenster, deren Einbau auch Puttrich ausdrücklich in ihren heiß-kalten Tipps erwähnt. Gesagt, getan, Boris Rhein hat zwar seine Streberbrille inzwischen ausgemustert, ist aber trotzdem eilfertig dem Aufruf gefolgt und ließ die Handwerker sofort in seinem Innenministerium in der Wiesbadener Friedrich-Ebert-Allee antanzen.

Doch es kann der Frömmste nicht in Frieden Energie einsparen, wenn es dem bösen Frömmrich nicht gefällt. Besagter Jürgen Frömmrich, als innenpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion der natürliche Gegner des CDU-Innenministers Rhein, hieß noch nicht mal dessen Gebäudesanierung gut.

Denn der Austausch der Fenster im Ministerium (mit beträchtlichem Lärm verbundene Bauarbeiten, weiß Frömmrich – und ganz schön viele sind es außerdem) geschah mitten in der Nacht. Anwohner hätten sich über nächtliche Ruhestörung beschwert, berichtet der Grüne und argwöhnt, der Herr Minister habe sich durch den Baulärm am Tage wohl gestört gefühlt und daher die Nachtarbeit veranlasst. Und das sei doch wohl das Verhalten eines absolutistischen Sonnenkönigs.

Na, da hat der Herr Frömmrich wohl etwas zuviel Sonne abbekommen – als sie jüngst noch bei heißen 35 Grad geschienen hat. Denn wie Rheins Staatssekretär Werner Koch nicht ganz zu unrecht erwidert, sei dies Unsinn, weil jeder weiß, dass gerade der Minister aufgrund seiner zahlreichen terminlichen Verpflichtungen außerhalb des Ministeriums am wenigsten gestört worden wäre. Gut, ob das wirklich jeder weiß, sei mal dahingestellt – Frömmrich zumindest weiß es.

Um Geld geht es natürlich auch. 50000 Euro Mehrkosten seien durch die Nachtarbeit entstanden. Aus Fürsorge für die Mitarbeiter, erwidert Koch, wegen des Baulärms sei ein geordneter Dienstbetrieb nicht möglich gewesen, deshalb die Nachtschichten von 18 bis 6 Uhr.

Diese Schaffensperiode darf man dann wohl getrost als Dienst zu ungünstigen Zeiten ansehen. Exakt für diesen will die SPD die sogenannten Erschwerniszulagen anheben. Sprich, mehr Geld für Sonntags- und Nachtarbeit.

Gut, dieser Antrag der Genossen betrifft nicht die Handwerker, sondern Hessens Beamte. Aber mal ehrlich, in Wahlkampfzeiten wäre doch nicht einmal der Vorschlag, Handwerker zu verbeamten, absurd genug, als dass ihn nicht irgendein Hinterbänkler in der nahenden Sommerpause stellen könnte. Wo doch nach den Einlassungen Puttrichs und Bouffiers das Energiesparen schon beinahe eine hoheitliche Aufgabe ist.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 26. Juni 2013

 

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