Elfen auf Ostermarsch

Da erreichte uns vor den Feiertagen noch eine schöne Mail aus dem Landtag von Willi van Oostern, der wieder zu seinen Ooyen-Märschen aufrief. Hoppla, irgendwie ist das jetzt durcheinandergeraten, zu viele Cognac-Ostereier wahrscheinlich.

Also noch einmal von vorne. Willi van Ooyen, Fraktionschef der Linken im Landtag, ruft zur Teilnahme zum Ostermarsch 2014 auf – und noch viel besser: zu Spenden für die Finanzierung desselben. Absender: das Ostermarschbüro, verschickt von der Landtagsadresse van Ooyens. Vermutlich nicht ganz im Sinne der Landtagsverwaltung, aber darüber wollen wir mal großzügig hinwegsehen. Wenn es doch der guten Sache dient. „Nie wieder Krieg“ und so, wer kann denn schon was gegen solch ein Motto sagen? Ja gut, Putin.

Also sind sie in den vergangenen Tagen ostermarschiert, die Verbliebenen von einstmals Hunderttausend – und haben dabei ihre Schritte hoffentlich sehr sorgfältig gesetzt. Nicht, dass sie Hessens Pflanze des Jahres zertrampeln! Das ist eine dreifarbige Nemesie, so lehrt uns der Hessische Gärtnereiverband, auch „Elfenspiegel“ genannt. Zusammengebastelt aus den drei Nemesien-Sorten „Little Cherry“, „Little Coco“ und „Little Babana“ – also, wenn Sie jetzt glauben, ich hätte schon wieder zu viele Cognac-Ostereier intus, nein, nein, das steht tatsächlich so in der Mitteilung! – entsteht das diesjährige Superpflänzlein „3Elfen“.

Drei Elfen? Die erste ist dann wohl die Umweltstaatssekretärs-Elfe Beatrix Tappeser, die bei der Pflanzaktion des Blümchens die Hacke des Handelns in der Hand hielt.

Tappesers Chefin, die Ministerin-Elfe Priska Hinz, kümmert sich derweil um größere Gewächse: die Bäume im Staatswald. Der landeseigene Forst soll nämlich künftig eine Art Unbedenklichkeitsbescheinigung erhalten: das FSC-Zertifikat. Das Kürzel steht für Forest Stewardship Council, das bedeutet in elbischer, pardon, englischer Sprache in etwa so viel wie Waldverantwortungsrat.

Klingt doof, was? Stellen Sie sich das so vor: Wenn Sie sich eine hölzerne Gartenbank kaufen und darauf prangt die FSC-Plakette, dann ist das so, als ob Sie eine Thunfischdose kaufen, auf der „Delfin freundlich gefangen“ steht. FSC bedeutet für den Schutz des Waldes ganz sicher auch, dass Kunstminister Boris Rhein nicht mehr Waldhorn blasen darf. Was er nämlich als Schüler wohl recht schlecht getan hat, wie er der „FAZ“ anvertraute.

Die dritte Elfe, das passt einfach zu gut, ist Hinz’ Vorgängerin Lucia Puttrich. Die ist jetzt Ministerinnen-Elfe für den Bundesrat und Europa. Und blickt dabei gerne mal über den Tellerrand oder besser gleich über den großen Teich. Das Freihandelsabkommen mit den USA wäre eine große Chance für Hessen, sagte sie den Kollegen der „Frankfurter Rundschau“.

Zumindest die Jungsozialisten in Südhessen sehen dies definitiv nicht so. Die Jusos fordern einen „sofortigen Verhandlungsstopp für das geplante Freihandelsabkommen“. Und sie haben noch einen schönen Spruch auf Lager (weshalb sie überhaupt nur hier Erwähnung finden, nebenbei bemerkt): „Wir sind nicht die Regierungsjugend von Angela Merkel!“ Das hätte ich jetzt ohnehin eher von der Jungen Union gedacht. Aber Angela Merkel, wie sie gerade im Osterurlaub elfengleich über Ischia gehopst ist . . . schade eigentlich, dass die Pflanze nicht „4Elfen“ heißt.

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 23. April 2014

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