Einer im Aus, einer im Spiel

Die ganze Welt, nein eigentlich nur die Fußball-Welt, na gut, also doch die ganze Welt schaut derzeit auf Frankfurt. Sitz des Deutschen Fußball-Bundes und seines Präsidenten Wolfgang Niersbach, der vor kurzem noch für höchste Ämter im europäischen Fußballverband UEFA oder gar gleich ganz oben in der FIFA als Blatter-Nachfolger gehandelt wurde. Schluss. Aus. Abpfiff. Nach einer zweifelhaften 6,7-Millionen-Euro-Zahlung, einer völlig vermurksten Pressekonferenz des DFB-Chefs dazu, der Razzia in der Frankfurter DFB-Zentrale und Niersbachs Privathaus in Dreieich und dem Auftauchen ominöser Papiere hat sich Niersbach nun selbst aus dem Spiel genommen. Rücktritt, die große Was-lief-da-bei-der-WM-2006-Frage überforderte den früheren Sportjournalisten.

Aufklären will nun ausgerechnet wieder ein Koch, nicht Roland diesmal, sondern Rainer. Der 1. Vizepräsident des DFB hat kommissarisch die Amtsgeschäfte übernommen und verspricht „konsequente Aufklärungsarbeit“. Besser wäre noch „brutalstmögliche Aufklärung“. Dafür steht doch schließlich der Name Koch.

Während nun alle möglichen Figuren ihren Senf dazugeben, herrscht in der Landespolitik Schweigen. Ministerpräsident Volker Bouffier und sein Sportminister Peter Beuth, die sich sonst öffentlichkeitswirksam sofort über jedes sportliche Ereignis mit Hessen-Zusammenhang freuen, halten sich aktuell ganz bedeckt.

Und Heribert Bruchhagen, Vorstandschef von Eintracht Frankfurt, erklärt schon mal – warum auch immer? –, er stünde als Nachfolger an der DFB-Spitze nicht zur Verfügung. Gut, dass wir das jetzt wissen. Im übrigen gebe es an der „Untadeligkeit“ seines langjährigen Freundes Niersbach keinen Zweifel. Hoffentlich bleibt das so.

Anders als Niersbach ist hingegen Hessens SPD-Präsident, sorry – Vorsitzender, Thorsten Schäfer-Gümbel weiter gut im Spiel. Am Wochenende beim Landesparteitag mit mehr als 91 Prozent wiedergewählt – da kann sich „TSG“ wirklich nicht beklagen. Gut, bei den letzten Wahlen hatte er jeweils ein paar Prozentpunkte mehr. Schwamm drüber.

Das haben ihm auch die politischen Mitbewerber nicht aufs Brot geschmiert, sondern alle artig gratuliert. Sie erhofften sich einen „weiterhin kollegialen und fairen Umgang – streitbar in der Sache, aber sachlich auch im Streit“, so die Grünen-Vorsitzenden Kai Klose und Daniela Wagner. Mahnung oder Wunschdenken der einst einander für den Bund der Regierungskoalition versprochenen SPD und Grünen?

Alles Gute weiterhin wünschten seitens der FDP auch der Landesvorsitzende Stefan Ruppert und Fraktionschef Florian Rentsch – aber Schäfer-Gümbel möge doch bitte nicht an der Schuldenbremse rütteln!

„Im Namen der CDU Hessen gratuliere ich dem SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel zu seiner erfolgreichen Wiederwahl“, so deren Generalsekretär Manfred Pentz. Gleiches gelte für die im Amt bestätigte Generalsekretärin Nancy Faeser und die weiteren Präsidiumsmitglieder. Diesem Vertrauensvorschuss sollte die Führungsspitze der SPD nun auch durch eine „konstruktive Politik“ gerecht werden, forderte Pentz dann gleich noch.

Aus CDU-Sicht meint er damit vermutlich eine genau gegenteilige als die aktuelle SPD-Politik, oder?

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 11. November 2015

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