Ein Hesse für die Fifa

Vielleicht fehlt mir ja der intellektuelle Zugang – aber kann mir mal jemand erklären, warum der Favorit für die Blatter-Nachfolge bei der Fifa ausgerechnet ein Scheich aus Bahrain ist? Ein Scheich aus der Fußballgroßmacht Bahrain? Gut, laut dem Hanauer Ehrenbürger Rudi Völler, der auch eine Zeitlang mal Bundestrainer war, gibt es ja keine „Kleinen“ mehr im Weltfußball, aber Bahrain – Nummer 121 der Fifa-Weltrangliste?

Jetzt nichts gegen Bahrain, sicher ein schönes Land mit netten Menschen, aber warum gilt ein Funktionär eines Zwergstaats mit einer Größe von 750 Quadratkilometern und 1,2 Millionen Einwohnern ernsthaft als Favorit für den größten Sportverband der Welt? Auch nichts gegen die braven Kicker aus dem Wüstenstaat, aber der Ball rollt doch wirklich woanders . . .

Dann gibt es ja da auch noch seinen Mitbewerber, einen Prinzen aus Jordanien. Auch so ein Wüstenstaat, 86. der Fifa-Weltrangliste, mit etwa 6,7 Millionen Einwohnern so groß wie Hessen.

Wissen Sie was? Warum wählt die Fifa denn eigentlich nicht einfach den Präsidenten des Hessischen Fußballverbands an ihre Spitze? Rolf Hocke heißt der Mann und ist Herr über 3000 Fußballvereine in Hessen mit 492 000 Mitgliedern und 12 000 Mannschaften. So viele haben Bahrain und Jordanien sicher nicht einmal zusammen.

Er war früher mal Leiter der Arbeitsagentur Fritzlar bevor er hauptamtlicher Sportfunktionär wurde. Das klingt doch seriös, nicht so wie diese korrupten Windhunde Blatter und Platini, die sich die Millionen gegenseitig in die Tasche stopfen. Dass Hocke durchaus Potenzial für höhere Weihen in der Funktionärswelt hat, ist auch erwiesen: Er ist noch Präsidiumsmitglied beim Süddeutschen Fußball-Verband und Vizepräsident des Landessportbunds Hessen.

Na also, da haben wir ihn doch noch gefunden, den Fifa-Kandidaten aus dem Land des Weltmeisters! Nachdem sich der zurückgetretene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ja bekanntlich um Kopf und Kragen „genichtwusst“ hat bezüglich ominöser Millionenüberweisungen von Frankfurt nach Zürich. Wobei, Moment mal, jetzt lese ich bei Wikipedia gerade, dass Hocke ja auch mal „Vizepräsident für Rechts- und Satzungsfragen“ beim DFB war. Hm, dieser Karriereschritt könnte natürlich wiederum hinderlich sein . . .

Alternativen? Vielleicht Innenminister Peter Beuth? Der ist in Hessen ja auch offiziell Minister für den Sport. Und zur Begeisterung für viele Fußballvereine fähig, was ein Fifa-Präsident ja zwingend sein muss: Von Haus aus Gladbach-Fan, freut er sich als Minister natürlich ganz doll über Siege der Frankfurter Eintracht und Aufstiege der Darmstädter Lilien. Und als Taunussteiner ist er auch Fan des SV Wehen Wiesbaden.

Apropos SVWW, haben Sie das gelesen? Jetzt soll ein Testspiel ausgerechnet des Drittligisten gegen die zweite Mannschaft von Mönchengladbach in der Türkei verpfiffen worden sein!

O tempora, o mores! Das dachte ich übrigens auch bei der Vorstellung der Kampagne der Grünen für den Kommunalwahlkampf. Da stellt doch Parteichef Kai Klose tatsächlich Kondome zum Verteilen an den Wahlkampfständen vor. Mit den Aufschriften „Für alle Vögelschützer“ und „Für alle, die sicheren Nahverkehr wollen“. Zugegeben, die Sprüche sind witzig – aber dann sollen sich die Grünen nicht wundern, wenn es demnächst keine neuen Mitglieder mehr für deren Nachwuchsorganisation Grüne Jugend gibt!

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 13. Januar 2016

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