Allein unter Frauen

„Angst vor Flächenbrand“ – Dutzende Medien haben diese Schlagzeile zur Verschärfung der Krim-Krise in den vergangenen Tagen bemüht (so auch unsere Zeitung). Aber Gott ja, die Ukraine, so weit weg. Da sorgt sich ein verbliebener FDP-Landtagsabgeordneter um ganz andere, viel näher gelegene Brände: Jürgen Lenders, Osthesse, bangt um die Hutzelfeuer in seiner Heimat. Hutzelfeuer da werden zum Winterende Weihnachtsbäume und anderes Gehölz abgebrannt und die Zuschauer geben sich Speis und Trank hin.

Das alles sieht Lenders gefährdet durch eine „Orientierungshilfe“ aus dem Umweltministerium. Dieses Papier „hilft“ nach Ansicht Lenders lediglich dahingehend, durch massive bürokratische Auflagen das Abfackeln erheblich einzuschränken, wenn nicht gar zu gefährden. Um Himmels willen! Und was tut die grüne Umweltministerin Priska Hinz? Bügelt den Gralshüter des Hutzelfeuers eiskalt ab. Die vom Fragesteller Lenders behauptete Verunsicherung bei den durchführenden Vereinen gebe es gar nicht, die Orientierungshilfe biete bloß notwendige Informationen für die gefahrlose Durchführung von Brauchtumsfeuern.

Worauf Lenders giftete, Hinz gefährde osthessisches Brauchtum und brüskiere lokale Vereine, überhaupt die Grünen: „Verbotspartei“, die eine „alte Tradition zu Tode regulieren wollen“.

Dabei, das muss fairerweise gesagt sein, die „Orientierungshilfe“ stammt noch aus der Zeit von Hinz CDU-Vorgängerin Lucia Puttrich. Ach, könnte das Leben als hessische Umweltministerin so schön sein, wenn nicht die Hinterlassenschaften Puttrichs quälen würden: abgeschaltete Atommeiler in Biblis und ausgelöschte Hutzelfeuer in Osthessen!

Sonst hat Hinz doch so viele tolle Termine. Sie war beispielsweise am Wochenende auf dem „Faunistentag“ in Wetzlar. Jetzt fragen Sie sich vielleicht, wie ich im übrigen auch, was machen denn bloß Faunisten? Floristen, ja das kriegen wir noch hin, die binden Blumen. Den Faun kennen wir aus der griechischen Mythologie als bockbeinigen Waldgeist. Nun ja, der Begriff Faun ist außerdem ein Synonym für Lüstling. Ähem, ich hoffe die Ministerin ist da wohlbehalten zurückgekehrt von diesem „Faunistentag“ in Wetzlar.

Aber so wüst war es wohl gar nicht, drei Faunisten sind sogar geehrt worden. Alles Doktoren, einer rettet Wasserinsekten, einer die Flussperlmuschel und einer das Birkwild. Also wohl eher so etwas wie Tierfreunde als Lustmolche . . .

Beim Landfrauenverband war Hinz auch und hat eine dolle Erkenntnis mitgebracht. Frauen seien in der modernen hessischen Landwirtschaft unverzichtbar und spielten eine bedeutende Rolle: Sie seien Mutter, Bäuerin, Büroleiterin und Bankkauffrau in einer Person. Wahnsinn! Sicher ein schmaler Grad zwischen Multitasking-Fähigkeit und multipler Persönlichkeitsstörung.

Bei so viel bereits vorhandener weiblicher Kompetenz ist der Bauernhof wohl keine Wirkungsstätte für den „Girls Day“, der uns am Donnerstag wieder droht. Sie wissen schon, der alljährlich ausgerufene Tag, der Mädchen für Männerberufe interessieren soll.

Zum Beispiel im Landtag zu Wiesbaden. Dort können laut Einladung die Girls die Hausmeisterei oder die Hausschreinerei besuchen oder „in die derzeit reine Männerdomäne des Fahrdienstes hineinschnuppern“. Also, in die Dienstlimousinen hineinschnuppern will man das wirklich? Hoffentlich hängt die Hausschreinerei vorher neue Duftbäumchen in die Karren!

 

Erschienen Frankfurter Neue Presse vom 26. März 2014

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